Glück wird durch Leid nicht aufgehoben

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caro la Avatar

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In ihrem zweiten Roman "Leuchtende Schatten", welcher jetzt von Klett-Cotta nochmals aufgelegt wurde, erzählt Iris Wolff von der Freundschaft zwischen Ella und Harriet, die mit einem Unfall am See ihren Anfang nimmt. Die beiden Mädchen sind grundverschieden und doch einander sofort auf eine unmittelbare, fast sinnliche Weise vertraut. Doch Harriet trägt ein Geheimnis mit sich, das sie ihrer besten Freundin lange verschweigt.

Wie immer besticht Iris Wolff dabei mit ihrer wunderbar poetischen Sprache. Die Geschichte spielt in Siebenbürgen, genauer in Hermannstadt, und als der Zweite Weltkrieg – die politischen Ereignisse der Jahre 1943/44 – die heile Welt der Kindheit erreicht, zerbrechen vertraute Gewissheiten. Ella und Harriet werden mit tiefgreifenden Verlusten konfrontiert und müssen sich viel zu schnell von ihrer Kindheit verabschieden. Wie immer lernt man dabei viel darüber, wie es den Menschen in Siebenbürgen in dieser Zeit erging – zwischen Traditionsbewusstsein, der Verführungskraft einer zerstörerischen Ideologie und dem Ende einer jahrhundertealten Kultur.

Im Zentrum steht aber die berührende Freundschaft der beiden Mädchen, die trotz – oder gerade wegen – aller Verluste bestehen bleibt. Wie es sinngemäß an einer Stelle im Roman selbst anklingt: Das Glück wird durch das erlittene Leid nicht aufgehoben – im Gegenteil, gerade die Erfahrung des Verlusts lässt die Erinnerung an die gemeinsame Zeit umso leuchtender werden und damit beginnen auch Schatten zu leuchten.

Auch das Ende bleibt ohne großes Finale und passt damit gut zum ruhigen Erzählton des ganzen Romans. Es bleibt ein Gefühl zurück, dass Freundschaft und Erinnerung tragen, selbst wenn vieles verloren geht.

Wie bereits "Lichtungen" und "Die Unschärfe der Welt" hat mich auch dieser Roman aufgrund der Wolff so eigenen Sprachpoesie, welche die schweren Themen so beeindruckend verarbeitet, und auch wegen der Thematik selbst wieder sehr in seinen Bann gezogen.