Gut geschrieben, aber ohne vernünftiges Ende

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thirteentwoseven Avatar

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Das Buch "Leuchtende Schatten" von Iris Wolff hat leider einen unbefriedigenden Abgang und lässt am Ende viele Fragen offen. Ich habe den Eindruck, als wollte die Autorin auf einmal das ansonsten sehr schön geschriebene Buch ganz schnell abschließen.

Die Geschichte selbst ist flüssig, detailreich und sehr niveauvoll geschrieben. Iris Wolff erzählt aus der Sicht der 14-jährigen Ella (Elisabeth), die zur Zeit des 2. Weltkriegs in Siebenbürgen aufwächst. Das beschauliche, ländliche Leben dort und die ersten Vorboten des Krieges sowie die damit einhergehenden Veränderungen werden sehr anschaulich und bildreich, aber auch mit jugendlicher Unbedarftheit und Naivität beschrieben. Ella lebt geborgen in ihrer grossen, kleinbäuerlichen Familie und findet mit der zugezogenen Harriet ihre erste richtige Herzensfreundin. Harriet stammt aus einem sehr wohlhabenden Elternhaus und lebt mit Vater, Stiefmutter und Bediensteten in einer großen Villa. Obwohl die Mädchen aus sehr unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen, werden sie, nachdem Ella Harriet vor dem Ertrinken gerettet hat, unzertrennlich. Harriet umgibt eine rätselhafte melancholische Aura. Die wirklichen Ausmaße ihres Geheimnisses versteht die junge Ella lange nicht, doch fühlt sie die Schwere, die auf ihrer Freundschaft und auch bald auf ihrer Familie und ihrem gesamten Umfeld lastet. Glück und Unglück, große Liebe und größter Verlust ereignen sich an einem Tag. Und dann ist Harriet eines -Tages verschwunden...

Was ist mit Harriet passiert? Wie ist es ihr und ihrem Vater ergangen? Es ist kaum zu glauben, dass Ella bei der intensiven Freundschaft nach Kriegsende keine Nachforschungen angestellt hat. Was ist aus Leopold, ihrer ersten großen Liebe geworden? Kommt der Gerhard-Onkel unversehrt aus dem Krieg zurück? Überlebt der Freund ihrer Kusine Daggy? All diese Fragen bleiben leider offen.

Trotz der wunderbaren und einfühlsamen Erzählung fehlt der krönenden Abschluss. Ein guter Schluss und das muss keinesfalls ein Happyend sein, gehört zu einem guten Buch einfach dazu. Hier hätte sogar ein kleines erklärendes Nachwort gereicht, was kurz ausführt, was aus den Protagonisten geworden ist. Ich gebe deshalb leider nur 3-4 Sterne.