Man kann sich immer entscheiden welche Geschichte man erzählen will
Iris Wolffs Roman „Leuchtende Schatten“ spielt im siebenbürgischen Hermannstadt (Sibiu) vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Ella lebt in bescheidenen Verhältnissen gemeinsam mit ihrem Eltern und ihrer „Ursula-Oma“.
„Die Welt war voll von Vertrautem und Fremdem, und ich war dabei, ihre Grenzen immer weiter auszudehnen. Ich fühlte mich mit meinen fast vierzehn Jahren sehr erwachsen und wusste noch nicht, dass sich das Leben auch ohne unser Einverständnis verändert, dass es uns beschenkt und fordert, manchmal ins Leere laufen lässt, unsere Freiheit nicht achtet und größer ist als das, was wir sehen können.“
Als Harriet neu in Ellas Klasse kommt, ist sie sofort fasziniert von dem schönen Mädchen, das so anders wirkt, doch sie traut sich nicht, sie anzusprechen. Erst ein Badeunfall, bei dem Ella Harriet das Leben rettet, verändert alles: Obwohl sie in unterschiedlichen Verhältnissen aufwachsen, Ella eher ärmlich, während Harriet mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter in einer Villa lebt, werden die beiden Mädchen zu unzertrennlichen Freundinnen. Harriet hütet jedoch ein Geheimnis vor Ella, das erst ans Licht kommt, als der Krieg auch ihre Heimatstadt erreicht …
„Man kann sich immer entscheiden, welche Geschichte man erzählen will. - Diesen Satz hörte ich oft von meinem Vater. Erzähl dem Kind keinen Unsinn, entgegnete Mutter darauf. Man soll immer bei der Wahrheit bleiben und nirgendwo sonst.
[…]
Man kann sich immer entscheiden, welche Geschichte man erzählen will. Ich möchte von der Liebe erzählen und weiß, dass sie Leid enthält. Ich will von Freundschaft sprechen und erzähle von Verrat. Ich berufe mich auf Mut und Mitgefühl und kann unser Scheitern nicht verschweigen. In der Erinnerung ist alles für immer aufgehoben, doch Gegensätze liegen so nah beieinander, dass sie manchmal, selbst wenn man sich mit besten Gewissen auf die Wahrheit beruft, nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.“
Iris Wolffs poetischer, feinfühliger Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Für diesen historisch interessanten, berührenden Roman über Freundschaft und Verlust vergebe ich 4 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag und Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚
„Die Welt war voll von Vertrautem und Fremdem, und ich war dabei, ihre Grenzen immer weiter auszudehnen. Ich fühlte mich mit meinen fast vierzehn Jahren sehr erwachsen und wusste noch nicht, dass sich das Leben auch ohne unser Einverständnis verändert, dass es uns beschenkt und fordert, manchmal ins Leere laufen lässt, unsere Freiheit nicht achtet und größer ist als das, was wir sehen können.“
Als Harriet neu in Ellas Klasse kommt, ist sie sofort fasziniert von dem schönen Mädchen, das so anders wirkt, doch sie traut sich nicht, sie anzusprechen. Erst ein Badeunfall, bei dem Ella Harriet das Leben rettet, verändert alles: Obwohl sie in unterschiedlichen Verhältnissen aufwachsen, Ella eher ärmlich, während Harriet mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter in einer Villa lebt, werden die beiden Mädchen zu unzertrennlichen Freundinnen. Harriet hütet jedoch ein Geheimnis vor Ella, das erst ans Licht kommt, als der Krieg auch ihre Heimatstadt erreicht …
„Man kann sich immer entscheiden, welche Geschichte man erzählen will. - Diesen Satz hörte ich oft von meinem Vater. Erzähl dem Kind keinen Unsinn, entgegnete Mutter darauf. Man soll immer bei der Wahrheit bleiben und nirgendwo sonst.
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Man kann sich immer entscheiden, welche Geschichte man erzählen will. Ich möchte von der Liebe erzählen und weiß, dass sie Leid enthält. Ich will von Freundschaft sprechen und erzähle von Verrat. Ich berufe mich auf Mut und Mitgefühl und kann unser Scheitern nicht verschweigen. In der Erinnerung ist alles für immer aufgehoben, doch Gegensätze liegen so nah beieinander, dass sie manchmal, selbst wenn man sich mit besten Gewissen auf die Wahrheit beruft, nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.“
Iris Wolffs poetischer, feinfühliger Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Für diesen historisch interessanten, berührenden Roman über Freundschaft und Verlust vergebe ich 4 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag und Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚