Mehr als ein Highschool-Thriller

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jordis Avatar

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Liars All Around Me hat mich komplett gepackt. Ich war von der ersten Seite an drin und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Geschichte ist dynamisch, spannend erzählt und entwickelt sich stetig weiter, ohne an Intensität zu verlieren.

Alles gerät ins Rollen, als Avery Ryle um eine Waffe bittet. Als kurz darauf eine Mitschülerin erschossen aufgefunden wird, ist für Ryle die Situation zunächst eindeutig. Doch Avery beteuert ihre Unschuld und gemeinsam beginnen sie, selbst nach der Wahrheit zu suchen. Was folgt, ist ein dichtes Geflecht aus Lügen, Geheimnissen und Misstrauen, bei dem man als Leser*in bis zuletzt im Dunkeln tappt.

Was das Buch für mich besonders stark macht, ist die Figurenzeichnung. Zu Beginn scheinen Avery und Ryle sehr klar in Rollen gesteckt: sie, die privilegierte Bürgermeister-Tochter; er, der abgestempelte Außenseiter mit schlechtem Ruf. Doch genau diese Schubladen bricht die Geschichte konsequent auf. Hinter Averys perfekter Fassade bröckelt es gewaltig, während Ryle trotz finanzieller Sorgen und eines psychisch angeschlagenen Vaters aus einem liebevollen, unterstützenden Umfeld kommt.

Das Buch spielt intensiv mit Vorurteilen, Klassendenken und Vorverurteilungen. Wer gilt automatisch als glaubwürdig? Wer wird vorschnell abgestempelt? Wie viel Macht haben Gerüchte? Und wie schnell urteilen wir über Menschen, ohne ihre Geschichte zu kennen? Diese Themen sind subtil, aber wirkungsvoll in die Handlung eingewoben und verleihen dem Thriller zusätzliche Tiefe.

Auch die Beziehung zwischen Avery und Ryle hat mich überzeugt. Keine dramatische Liebe auf den ersten Blick, sondern ein vorsichtiges Annähern zwischen Zweifel, Anziehung und wachsendem Vertrauen. Das Tempo ihrer Entwicklung war für mich genau richtig, glaubwürdig und emotional stimmig.

Der Twist am Ende hat mich wirklich überrascht. Rückblickend habe ich einen kleinen, subtilen Hinweis entdeckt, davon hätte ich mir vielleicht ein oder zwei mehr gewünscht, damit besonders aufmerksame Leser*innen eine leise Ahnung entwickeln können. Aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau.
Den Epilog empfand ich als wichtig, um wirklich abschließen zu können, vielleicht ein wenig bittersüß, aber insgesamt ist die Geschichte dadurch nicht weniger rund.

Fazit: Ein packender YA-Whodunit-Thriller, der nicht nur mit Spannung und überraschender Auflösung überzeugt, sondern auch gesellschaftliche Themen wie Vorurteile und Klassenzugehörigkeit klug aufgreift. Er ist emotional, dynamisch und bis zum Schluss fesselnd, für mich ganz klar 5 von 5 Sternen.