Tödliches Spiel aus Misstrauen und Geheimnissen

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doroko Avatar

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Schon der Klappentext macht ziemlich klar, in welche Richtung es geht: Eine tote Schülerin, eine scheinbar perfekte Musterschülerin mit dunklen Geheimnissen und ein Außenseiter, der widerwillig in einen Mordfall hineingezogen wird. Avery bittet Ryle um eine Waffe – er lehnt ab, worauf hin kurz darauf ihre Mitschülerin Sheila erschossen aufgefunden wird. Für Ryle ist die Sache zunächst eindeutig. Avery beteuert jedoch ihre Unschuld und gemeinsam geraten die beiden immer tiefer in ein Geflecht aus Lügen, Misstrauen und unterschwelliger Anziehung.
Das Cover ist mir sofort ins Auge gesprungen: Es kontrastiert stark in den Farben, der chaotischen Anordnung der Büroklammern und des Fadens, der sich durch den Titel windest. Somit passt es gut zur Geschichte, die sich wie ein Geflecht aus lauter Lügen anfühlt.
Dank des angenehm flüssigen und offenen Schreibstils bin ich gut in die Handlung gekommen. Zudem gelingt es der Autorin, ordentlich Spannung aufzubauen, weil sie auf Nebensächlichkeiten verzichtet und zusammen mit den kurzen Kapiteln für Tempo sorgt. Dadurch wollte ich immer, „nur noch ein Kapitel“ lesen und zack war das Buch zu Ende.
Sowohl Ryle als auch Avery lerne ich durch die wechselnden Perspektiven näher kennen. Durch diese Wechsel kommt Dynamik in die Handlung weil ich deswegen nie nur eine Sicht auf die Geschehnisse habe und die Geschichte komplexer wirken lässt.
Wohl jeder kennt einen typischen Außenseiter und genau den Eindruck macht Ryle auf den ersten Blick auch auf mich – obwohl er letztendlich mehr Tiefe hat, als ich zunächst vermutet habe. Seine Zweifel gegenüber Avery ist total nachvollziehbar, aber gleichzeitig merkt man, dass er sich ihrer Anziehung nicht ganz entziehen kann.
Und Avery? Sie ist eine spannende Figur. Sie lässt sich nicht klar einordnen, wirkt kontrolliert und etwas kalt. Trotzdem bröckelt hin und wieder etwas ihre Hülle.
Für mich hat die Dynamik zwischen den beiden gut funktioniert – bestehend aus einem Zweckbündniss gepaart mit Misstrauen und unterschwelliger Anziehung. Das bringt zusätzliche Spannung in die Handlung.
Auch das Setting einer Kleinstadt, in der jeder jeden kennt und die Nebencharaktere tragen zur Atmosphäre des Buches bei. Haben doch alle – paasend zum Titel – ihre kleinen Geheimnisse. Zum Ende kann ich nicht viel sagen ohne zu spoilern. Nur soviel: Es endet mit einem Knall, den ich nicht habe kommen sehen. Absoluter Lesetipp!