Wem kannst du trauen?

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dieunterhoferin Avatar

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Cover:
Das Buchcover gefällt mir sehr gut. Der Titel scheint mit Fäden umschlungen und deutet Wirrungen an, sodass von der Gestaltung her bereits eine unheilvolle Stimmung vermittelt wird.

Handlung:
Ryle ist sich seines schlechten Rufs und der Gerüchte, die über ihn kursieren, bewusst. Dennoch ist er überrascht, als ausgerechnet Musterschülerin Avery zu ihm kommt und ihn bittet, ihr eine Waffe zu besorgen. Ryle lehnt die Bitte ab, doch als wenige Tage später eine andere Mitschülerin tot aufgefunden wird, schrillen seine Alarmglocken. Avery schwört unschuldig zu sein und will es auch beweisen. Ryle ist skeptisch, lässt sich aber überreden ihr dabei zu helfen. Zwischen Misstrauen und Anziehung hin- und hergerissen, kommen immer mehr Geheimnisse ans Licht.

Schreibstil & Spannungsaufbau:
Der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Er ist fesselnd, zieht einen von Anfang an in die Geschichte und erzeugt Emotionen, sodass man einfach mitfiebert. Die Handlung wird abwechselnd aus der Perspektive beider Hauptcharaktere erzählt. Generell mag ich es sehr gerne, wenn eine Geschichte aus mehreren Blickwinkeln erzählt wird, weil man so einen besseren Einblick in die Charaktere bekommt, ihre Motive und Hintergründe besser nachvollziehen kann und mehr von ihrer Gefühlswelt mitbekommt. Das Kleinstadt-Setting macht die Handlung für mich noch spannender, weil man eigentlich das Gefühl hat, alle gut zu kennen, aber dennoch vorsichtig sein muss, wem man trauen kann. Stück für Stück setzt sich das Puzzle zusammen und es kommen immer mehr Details und Geheimnisse ans Licht.

Charaktere:
Die Hauptcharaktere sind Ryle und Avery. Beide gehen auf die gleiche Schule, könnten aber von ihrer Herkunft bzw. von ihrem sozialen Status her nicht unterschiedlicher sein.
Avery ist 17 Jahre alt, eine Vorzeigeschülerin und stammt aus gutem Hause. Ihre Mutter ist Bürgermeisterin, ihr Vater besitzt eine große Firma. Von klein auf wurde von Avery Höchstleistung gefordert, da ein guter Ruf und der äußere Anschein in ihrer Familie offenbar das Wichtigste sind. Zu ihrer Nanny und späteren Haushälterin Raquel hat sie eine herzliche Beziehung. Ihre beste Freundin ist Micah, die sie von klein auf kennt. Averys Tagesablauf ist streng durchgetaktet, neben dem Unterricht ist sie in diversen AGs aktiv, für Freizeit ist da nur begrenzt Platz. Sheila ist nicht nur Micahs Cousine, sondern auch Avery größte Konkurrentin und die Schülerin, die schließlich erschossen aufgefunden wird.
Ryle ist 18 Jahre alt und geht auf die gleiche Schule wie Avery. Sein Leben könnte nicht unterschiedlicher sein, denn von so einem privilegierten Leben, wie Avery es führt, ist er weit entfernt. Ryle hat einen kleinen Bruder und lebt mit den beiden in einer Holzhütte, mehr kann sich die kleine Familie nicht leisten. Seine Mutter starb bei einem Autounfall, bei dem auch er schwer verletzt wurde und eine Narbe davongetragen hat. Um das Familienbudget aufzubessern, jobbt er nebenbei. Ryle haften diverse Gerüchte über kriminelle Aktivitäten an, in denen auch ein Fünkchen Wahrheit steckt. Dennoch ist Ryle ein guter Mensch, der loyal ist und sich um die, die ihm nahestehen, kümmert.
Ryle und Avery haben beide dem anderen gegenüber Vorurteile und auch ein gewisses Misstrauen. Im Laufe der Geschichte und durch die Zusammenarbeit müssen sie sich dem stellen. Die Autorin schafft es gut, jedem Charakter seine/ihre eigene Stimme zu geben, sodass die Figuren lebhaft und authentisch präsentiert sind.


Meinung & Fazit:
„Liars all around me“ ist für mich das erste Buch, das ich von Clara Blais gelesen habe. Das Kleinstadt-Setting gefällt mir sehr gut, daneben beinhaltet die Geschichte die Tropes Clear my Name, Enemies-To-Lovers, Rich Girl x Poor Boy, sowie Dark Secret.
Mir gefällt es wie die Autorin ihre beiden Hauptcharaktere gestaltet hat und einem beim Lesen Einblick in deren Innerstes gibt. Auch die Nebencharaktere fand ich spannend und interessant gezeichnet. Alle Figuren haben ihre Stärken und Schwächen, das macht sie meiner Meinung nach vielschichtig, glaubwürdig und einfach menschlich. Besonders berührt haben mich Ryles Lebensumstände. Dass sich die Charaktere auch stark entwickeln, gefällt mir ebenso. Durch den Schreibstil und den Spannungsaufbau bin ich gleich in der Geschichte versunken, war von Anfang an mitten drinnen in der Handlung und habe mitgefiebert und mitgerätselt.
„Liars all around me“ hat mir sehr gut gefallen und bietet alles, was eine tolle Romantic Suspense haben muss: Crime und Spannung, viele Lügen und Geheimnisse, die ans Licht kommen, Plot Twists, eine gute Portion Action, aber eben auch Liebe und Gefühle.
Ein Buch für tolle Lesestunden, sowohl für jüngere, als auch ältere Thriller begeisterte LeserInnen.