Das kann Kehlmann aber viel besser
Natürlich wollte ich dieses Buch lesen, nachdem mir 'die Vermessung der Welt' so gut gefallen hatte und ich 'Tyll' wirklich großartig fand. Die Idee, das Leben des Regisseurs G.W. Pabst literarisch aufzuarbeiten ist interessant; ich kenne ein, zwei seiner Filme, wußte aber nichts über ihn selbst.
Als durchaus auch 'kritische/ politische' Größe der Filmschaffenden in der Weimarer Republik und auch in Frankreich, versucht Pabst nach der Machtergreifung der Nazis, in Amerika Fuß zu fassen. Das gelingt nicht. Zurück in Europa wird er mit seiner Familie beim Besuch der kranken Mutter in 'Ostland' durch den Krieg aufgehalten. Eine erneute Ausreise nach Amerika wird unmöglich. Er arrangiert sich in der Folge mit der Reichsfilmkammer und den Nazis, dreht verschiede Filme und verliert seinen moralischen Kompass.
Nach dem Krieg kann er nicht an seine alten Erfolge anknüpfen. Er erkrankt, wird von seiner Frau 'vertreten' und produziert Filme, die seinem Ruf nicht gerecht werden.
Das Buch hat große Stärken, so zB das erste Kapitel, in welchem ein ehemaliger Mitabeiter von Pabst in einer Fernsehsendung über den gemeinsamen letzten Film sprechen soll, aber aufgrund seiner Demenz nicht mehr auf Fragen antworten kann. Es bleibt unklar, ob er sich an Geschehnisse richtig erinnern kann oder will oder ob die Wahrheit durch Pabst in eine Lüge verkehrt wurde. Nach diesem Kapitel habe ich mich richtig auf den Rest des Buches gefreut.
Ab dann begannen für mich die unnötigen Übertreibungen: die Amerikaner bringen alle österreichischen Regisseure durcheinander, obwohl sie aus der Filmbranche sind; haben kein Interesse an Kunst, nur am Kommerz; die Schauspielerinnen, die ihre Karriere auch Pabst verdankten, sind gelangweilt und wollen ihm nicht helfen; ein Niemand, der zum Nazi geworden ist, versucht 'wie im schlechten Film' Pabst wieder ins Reich zu holen.
Richtig unerfreulich wird es, wenn fast alle Menschen in Nazideutschland irgendwie irre, verschlagen, bösartig und devot gegenüber der Gestapo oder hochrangigen Mitarbeitern des politischen Apparates sind.
Da ist nichts subtil, es wird quasi durchgehend 'mit dem Zaunpfahl gewunken'. Auch an anderer Stelle ist nichts unterschwellig: Pabst ist vernarrt in die Brooks, seine Frau weiß es und ist eifersüchtig; der gemeinsame Sohn wird natürlich Nazi; die Riefenstahl ist ein schlechte Regisseurin und kann keine Kritik annehmen; der Sohn sucht später die Brooks auf, die natürlich auch ihn versucht zu verführen, obwohl sie deutlich über 60 ist. Ich könnte endlos weiter aufzählen.
Zwischendurch schimmert immer wieder die Kehlmannsche Erzählkunst durch, aber sie kommt nicht gegen die eigenen Übertreibungen an.
Die wirklich interessante Frage, warum sich Pabst so verhalten hat, was ihn dazu geführt hat, sich so vereinnahmen zu lassen, ist nicht gut rausgearbeitet. Im Roman wirkt es zum Teil so, als sei es lediglich eine Verkettung unglücklicher Umstände.
Der schöne, etwas düstere Einband, der mit dem Titel und der Gestaltung das Thema ankündigt ist gelungen. Das passende Lesebändchen gefällt mir auch.
Leider kommt der Inhalt nicht hinterher.
Schade, wo ich doch weiß, dass Kehlmann es kann. Ohne das erste Kapitel wären es nur zwei Sterne geworden.
Als durchaus auch 'kritische/ politische' Größe der Filmschaffenden in der Weimarer Republik und auch in Frankreich, versucht Pabst nach der Machtergreifung der Nazis, in Amerika Fuß zu fassen. Das gelingt nicht. Zurück in Europa wird er mit seiner Familie beim Besuch der kranken Mutter in 'Ostland' durch den Krieg aufgehalten. Eine erneute Ausreise nach Amerika wird unmöglich. Er arrangiert sich in der Folge mit der Reichsfilmkammer und den Nazis, dreht verschiede Filme und verliert seinen moralischen Kompass.
Nach dem Krieg kann er nicht an seine alten Erfolge anknüpfen. Er erkrankt, wird von seiner Frau 'vertreten' und produziert Filme, die seinem Ruf nicht gerecht werden.
Das Buch hat große Stärken, so zB das erste Kapitel, in welchem ein ehemaliger Mitabeiter von Pabst in einer Fernsehsendung über den gemeinsamen letzten Film sprechen soll, aber aufgrund seiner Demenz nicht mehr auf Fragen antworten kann. Es bleibt unklar, ob er sich an Geschehnisse richtig erinnern kann oder will oder ob die Wahrheit durch Pabst in eine Lüge verkehrt wurde. Nach diesem Kapitel habe ich mich richtig auf den Rest des Buches gefreut.
Ab dann begannen für mich die unnötigen Übertreibungen: die Amerikaner bringen alle österreichischen Regisseure durcheinander, obwohl sie aus der Filmbranche sind; haben kein Interesse an Kunst, nur am Kommerz; die Schauspielerinnen, die ihre Karriere auch Pabst verdankten, sind gelangweilt und wollen ihm nicht helfen; ein Niemand, der zum Nazi geworden ist, versucht 'wie im schlechten Film' Pabst wieder ins Reich zu holen.
Richtig unerfreulich wird es, wenn fast alle Menschen in Nazideutschland irgendwie irre, verschlagen, bösartig und devot gegenüber der Gestapo oder hochrangigen Mitarbeitern des politischen Apparates sind.
Da ist nichts subtil, es wird quasi durchgehend 'mit dem Zaunpfahl gewunken'. Auch an anderer Stelle ist nichts unterschwellig: Pabst ist vernarrt in die Brooks, seine Frau weiß es und ist eifersüchtig; der gemeinsame Sohn wird natürlich Nazi; die Riefenstahl ist ein schlechte Regisseurin und kann keine Kritik annehmen; der Sohn sucht später die Brooks auf, die natürlich auch ihn versucht zu verführen, obwohl sie deutlich über 60 ist. Ich könnte endlos weiter aufzählen.
Zwischendurch schimmert immer wieder die Kehlmannsche Erzählkunst durch, aber sie kommt nicht gegen die eigenen Übertreibungen an.
Die wirklich interessante Frage, warum sich Pabst so verhalten hat, was ihn dazu geführt hat, sich so vereinnahmen zu lassen, ist nicht gut rausgearbeitet. Im Roman wirkt es zum Teil so, als sei es lediglich eine Verkettung unglücklicher Umstände.
Der schöne, etwas düstere Einband, der mit dem Titel und der Gestaltung das Thema ankündigt ist gelungen. Das passende Lesebändchen gefällt mir auch.
Leider kommt der Inhalt nicht hinterher.
Schade, wo ich doch weiß, dass Kehlmann es kann. Ohne das erste Kapitel wären es nur zwei Sterne geworden.