Arbeit, Würde und das Leben im Schatten der Algorithmen
Schon die ersten Seiten von Liefern von Tomer Gardi entfalten eine enorme erzählerische Kraft. Im Mittelpunkt steht Filmon, ein eritreischer Geflüchteter in Tel Aviv, der nach dem Verlust seines Jobs im Café als Essenslieferant zu arbeiten beginnt. Was zunächst nach einem schlichten Alltagsbericht klingt, entwickelt sich schnell zu einem vielschichtigen Roman über Arbeit, Ausbeutung, Migration und Zugehörigkeit.
Besonders eindrucksvoll ist die Sprache: rhythmisch, präzise, manchmal rau, dann wieder poetisch und voller Wärme. Gardi erzählt mit großer Aufmerksamkeit für Details - das Neonlicht auf Edelstahl, der Mond über der Stadt, das Warten zwischen Aufträgen - und macht damit eine Lebensrealität sichtbar, die sonst oft unsichtbar bleibt. Filmon ist eine ruhige, reflektierte Figur, deren Gedanken von Verantwortung, Hoffnung und ständiger Vorsicht geprägt sind.
Sehr stark fand ich die Darstellung der Plattformarbeit. Lieferdienste, falsche Accounts, Abhängigkeiten von Vermietern und Vermittlern - all das wird nicht erklärend ausgebreitet, sondern selbstverständlich in den Alltag eingebettet. Dadurch entsteht ein beklemmendes Bild eines Systems, in dem Menschen flexibel sein müssen, um zu überleben, und dabei immer austauschbar bleiben. Gleichzeitig durchziehen den Text tiefe Menschlichkeit und leise Momente von Nähe, vor allem in den Gesprächen mit Daniat und im Blick auf die gemeinsame Tochter.
Die Leseprobe macht deutlich, dass Liefern kein lauter, anklagender Roman ist, sondern ein sehr genauer, empathischer Text über Würde, Arbeit und Liebe auf Distanz. Ich möchte unbedingt weiterlesen, weil dieses Buch zeigt, wie Literatur gesellschaftliche Realität erfahrbar machen kann - ruhig, klug und lange nachwirkend.
Besonders eindrucksvoll ist die Sprache: rhythmisch, präzise, manchmal rau, dann wieder poetisch und voller Wärme. Gardi erzählt mit großer Aufmerksamkeit für Details - das Neonlicht auf Edelstahl, der Mond über der Stadt, das Warten zwischen Aufträgen - und macht damit eine Lebensrealität sichtbar, die sonst oft unsichtbar bleibt. Filmon ist eine ruhige, reflektierte Figur, deren Gedanken von Verantwortung, Hoffnung und ständiger Vorsicht geprägt sind.
Sehr stark fand ich die Darstellung der Plattformarbeit. Lieferdienste, falsche Accounts, Abhängigkeiten von Vermietern und Vermittlern - all das wird nicht erklärend ausgebreitet, sondern selbstverständlich in den Alltag eingebettet. Dadurch entsteht ein beklemmendes Bild eines Systems, in dem Menschen flexibel sein müssen, um zu überleben, und dabei immer austauschbar bleiben. Gleichzeitig durchziehen den Text tiefe Menschlichkeit und leise Momente von Nähe, vor allem in den Gesprächen mit Daniat und im Blick auf die gemeinsame Tochter.
Die Leseprobe macht deutlich, dass Liefern kein lauter, anklagender Roman ist, sondern ein sehr genauer, empathischer Text über Würde, Arbeit und Liebe auf Distanz. Ich möchte unbedingt weiterlesen, weil dieses Buch zeigt, wie Literatur gesellschaftliche Realität erfahrbar machen kann - ruhig, klug und lange nachwirkend.