Die Würde des Menschen

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sarah3484 Avatar

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Das Cover ist top. Es passt perfekt zum Thema. Eine Standortmakierung, in der ein Essens Lieferant auf einem Roller fährt.

Nachdem das Café, in dem er bis jetzt jobbte, schließt, wird Filmon, ein eritreischer Geflüchteter in Tel Aviv, Essenslieferant.
Dort stößt er auf Ausbeutung und Rassismus.
Der stets ruhige Protagonistin nimmt all das bin, damit er die Familie wieder vereinen kann. Seine Frau und Tochter leben in Berlin.
Sein Leben ist geprägt von Einsamkeit und ständiger Vorsicht.
Er ist völlig abhängig von Vermietern und Vermittlern.
Filmon muss immer abrufbar und flexibel sein, da er jederzeit austauschbar ist.
Schon die ersten Seiten von Liefern von Tomer Gardi entfalten eine enorme erzählerische Kraft. Im Mittelpunkt steht Filmon, ein eritreischer Geflüchteter in Tel Aviv, der nach dem Verlust seines Jobs im Café als Essenslieferant zu arbeiten beginnt. Was zunächst nach einem schlichten Alltagsbericht klingt, entwickelt sich schnell zu einem vielschichtigen Roman über Arbeit, Ausbeutung, Migration und Zugehörigkeit.

Besonders eindrucksvoll ist die Sprache: rhythmisch, präzise, manchmal rau, dann wieder poetisch und voller Wärme. Gardi erzählt mit großer Aufmerksamkeit für Details - das Neonlicht auf Edelstahl, der Mond über der Stadt, das Warten zwischen Aufträgen - und macht damit eine Lebensrealität sichtbar, die sonst oft unsichtbar bleibt. Filmon ist eine ruhige, reflektierte Figur, deren Gedanken von Verantwortung, Hoffnung und ständiger Vorsicht geprägt sind.

Es ist traurig und beklemmend.
Ich möchte wissen, wie es mit der Familie weitergeht.