Wenn alles läuft, nur das Leben nicht

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xirxe Avatar

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Liefern erzählt vom Leben am Rand der Sichtbarkeit. Im Zentrum steht Filmon, ein eritreischer Geflüchteter in Tel Aviv, Küchenhilfe, später Essenslieferant. Sein Alltag zerfällt: Das Café schließt, die Pandemie („die Plage“) legt alles lahm, Arbeit wird prekär, Abhängigkeiten verdichten sich. Parallel dazu entfaltet sich ein dichtes Beziehungsgeflecht: Romy, die Cafébesitzerin, ebenfalls scheiternd, aber mit Netz. Shai, Vermieter und parasitäres Bindeglied zwischen Wohnung, Arbeit und Ausbeutung. Abraham, Freund, Mitgeflüchteter, polyglotter Überlebenskünstler. Sowie Daniat und Israel, Frau und Tochter von Filmon in Berlin.
Es geht um Migration, Ausbeutung, Bürokratie, Sprachverlust und Sprachaneignung, digitale Nähe vs. physische Abwesenheit, Arbeit als Überlebensmodus und nicht zuletzt um Identität als etwas, das andere dir aufdrücken.
Das Ganze ist gut geschrieben und durchdacht, aber mir ist schlicht die Dichte der Katastrophen zu hoch - ich bin mit der Realität mehr als "versorgt".