Doch die mit dem großen Rucksack sieht man nicht

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andreas_m Avatar

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Sie heißen z.B. Filmon und kommen aus Eritrea; sie arbeiten in Tel Aviv oder vielleicht auch um die Ecke in prekären Verhältnissen. Sie sind vor Not und Krieg geflüchtet, sie sehen ihre Kinder und Frauen nur durch die Kameras ihrer Handys, verdienen aber das Geld, damit diese ein besseres Leben haben können, während sie in den Zufluchtsländern mit ganz eigenen Problemen wie dem alltäglichen Rassismus konfrontiert sind. Eine Ordnungswidrigkeit kann bedeuten, die eigene Ausreise in das Land, in dem die Familie Schutz gefunden hat, nicht mehr betreten zu dürfen...
"Liefern" ist ein seltsam harmloser Titel für ein derart politisches Buch. Es handelt von denjenigen, die das "globalisierte Dorf" derer am Laufen halten, die sich das leisten können. Unterhaltsame Kapitalismuskritik eines gebürtigen Kibbuznik und ein Blick hinter die Kulissen des täglichen Lebens für den Leser, der sich vor den Kulissen befindet. Natürlich kennt man die Zusammenhänge "irgendwie", doch Tomer Gardi führt sie in einem beinahe sachlichen Ton zusammen und gibt ihnen Gesichter, Namen und Leben. Ob diese Figuren fiktiv sind oder nicht - ihre Lebensverhältnisse sind es sicherlich nicht, und das macht dieses Buch so dramatisch wie berührend.