ein besonderes Thema!

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lucacml Avatar

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Liefern von Tomer Gardi widmet sich einer Arbeitswelt, die wir alle kennen und doch selten wirklich betrachten: den Lieferdiensten und den Menschen, die für sie unterwegs sind. Der Roman erzählt von Riderinnen und Ridern in unterschiedlichen Ländern, mit verschiedenen Hintergründen, Hoffnungen und Biografien. Was sie eint, ist der enorme Leistungsdruck, das permanente Bewertet- und Kontrolliertwerden, das Gefühl der Unsichtbarkeit im öffentlichen Raum – und zugleich der Traum von einem besseren Leben, der sie antreibt.
Die einzelnen Geschichten stehen zunächst für sich, beginnen sich aber im Verlauf zu kreuzen und miteinander zu verweben. Figuren tauchen erneut auf, Lebenswege berühren sich, Erfahrungen spiegeln sich über Ländergrenzen hinweg. Dadurch entsteht ein starkes Bild einer globalisierten Arbeitswelt, in der sich die Bedingungen ähneln, egal wo man sich befindet. Gerade diese Struktur hat mir sehr gefallen, weil sie zeigt, dass es sich nicht um Einzelschicksale handelt, sondern um ein System, das viele betrifft.
Besonders überzeugt hat mich die Thematik. „Liefern“ nimmt etwas scheinbar Alltägliches – Essen bestellen per App – und macht daraus eine literarische Auseinandersetzung mit Würde, Arbeit und ökonomischem Druck. Das Buch hat mich dazu gebracht, meinen eigenen Blick auf Lieferfahrer zu hinterfragen und bewusster wahrzunehmen, wie schnell man Menschen in funktionale Rollen reduziert.
Mit der Sprache bin ich nicht ganz warm geworden. Einige Passagen oder Kapitel empfand ich als etwas langatmig. Für mich ist das aber eher eine Stilfrage als ein inhaltliches Problem.Insgesamt mochte ich Buch und werde über das Thema bestimmt auch noch eine Weile nachdenken.