Einfacher Titel, komplexe Wirklichkeit

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julirudi Avatar

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Der Roman „Liefern“ von Tomer Gardi wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Der Titel erinnert an Alltag, an Pakete, Essen oder Arbeit. Doch genau darin liegt seine Stärke. Hinter dem harmlosen Titel verbirgt sich ein vielschichtiger und politisch relevanter Text, der Fragen nach Arbeit, Sprache, Macht und Zugehörigkeit stellt.

Im Mittelpunkt steht das Leben von Menschen,die auf der Suche nach Arbeit sind und finden als Notlösung das Liefern von Essen. Sie versuchen, sich unsichtbar durch die Stadt zu bewegen, bloß nicht auffallen und nicht kontrolliert werden. Gardi hat als Helden seines Romans Filman gewählt, dessen Frau mit Tochter, die er seit seiner Geburt noch nie getroffen hat, weil Daniat schwanger nach Deutschland geflohen ist. Filmans Aufgabe ist es, abzuwarten, bis er mithilfe der Familienzusammenführung ebenfalls nach Deutschland nachkommen darf und Geld an seine Frau zu schicken.
Um aufzuzeigen, dass es sich nicht um keinen Einzelfall handelt, wird auch aus der Perspektive von Filmans Bekannten und Freunden erzählt, sodass sich ein ganzes Bild zusammen setzen kann.

Besonders auffällig ist die Sprache des Romans. Tomer Gardi schreibt in einer einfachen Sprache, ohne wörtliche Rede hervorzuheben. So lässt sich die Geschichte flüssig und schnell lesen. Politisch ist der Roman vor allem durch seinen Blick auf Migration und Arbeit. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem ehrlichen und kritischen Blick auf unsere Gegenwart belohnt.