Gold Star Rider

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amalia Avatar

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Der Autor Tomer Gardi beleuchtet aus unterschiedlichen Perspektiven das ausbeuterische System von Lieferdiensten. Sechs Männer in einer Drei-Zimmer-Wohnung, um an eine Lizenz bei einem Lieferunternehmen zu kommen geht’s nur über einen Mittelsmann, der dafür 25% des Lohnes einbehält. Immer unter Zeitdruck, immer auf gute Bewertungen der KundInnen angewiesen, denn die Bewertungen haben einen unmittelbaren Einfluss auf das Gehalt. Der Algorithmus, der Berliner Winter, der Verkehr in Delhi.
Der Roman ist ein extrem gut recherchierter Bericht über das Leben als FahrerIn. Die Charaktere müssen sich neben der harten Arbeit mit politischen Systemen und patriarchalen Gesellschaften herumschlagen. Bürokratie für eine Familienzusammenführung in Deutschland. Als alleinerziehende Mutter in einer Männerwelt arbeiten.
Gardi verfällt dabei nie dem Zynismus. Trotz der Schicksale handeln die Figuren aktiv, sind divers, sind solidarisch. Die Sprache ist sehr gut zu lesen, der Autor zeigt sich selbstironisch, die Geschichten sind originell. Mir sind die Teile des Buches etwas zu unzusammenhängend und lose und hätte es besser gefunden, die Anzahl der Geschichten etwas zu reduzieren und dafür tiefere Einblicke zu erhalten. Das erste Kapitel ist meiner Meinung nach das stärkste.
Die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Optimismus hat der Autor sehr gut getroffen.