Hinter den Kulissen der Stadt: Wenn Lieferanten eine Stimme bekommen

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josephine5 Avatar

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Tomer Gardi hat mit „Liefern“ ein literarisches Kunststück vollbracht. Er nimmt ein Phänomen, das wir alle täglich sehen – den vorbeihuschenden Essenslieferanten auf seinem Fahrrad –, und webt daraus ein weltumspannendes Netz aus Schicksalen, Sehnsüchten und politischer Sprengkraft. Von Tel Aviv über Delhi bis nach Berlin: Dieses Buch liefert keine einfachen Antworten, sondern tief menschliche Einblicke in das Getriebe der Globalisierung.
In sechs Episoden verbindet Gardi die Lebenswege von Menschen wie Filmon, einem eritreischen Geflüchteten in Tel Aviv, mit Schauplätzen in Istanbul oder Buenos Aires. Es ist eine literarische Weltreise, die zeigt, wie eng unsere Privilegien mit der Prekarität anderer verknüpft sind.
Der Titel „Liefern“ wirkt fast harmlos, doch dahinter verbirgt sich scharfe Kapitalismuskritik. Gardi gibt den Menschen, die das „globalisierte Dorf“ am Laufen halten, Namen und Gesichter. Er thematisiert Rassismus, Ausbeutung und die ständige Angst vor der Abschiebung in einem beinahe sachlichen, aber zutiefst berührenden Ton.
Trotz der harten Themen wie Flucht und Not strahlt das Buch eine unglaubliche Wärme und Empathie aus. Die Figuren sind keine Abziehbilder, sondern widersprüchliche, lebendige Menschen mit großen Träumen von Liebe und Verbundenheit.