Interessante Einblicke, aber leider nicht ganz überzeugt.

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saskia02 Avatar

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Der Roman Liefern von Tomer Garde beschäftigt sich mit einem Thema, das eigentlich sehr spannend ist: den Arbeitsbedingungen von Lieferfahrern und anderen Dienstleistern. Gerade in Zeiten von Liefer-Apps und Plattformarbeit ist das ein Thema, das viele Menschen betrifft und über das man sonst eher wenig Einblicke bekommt. Die Grundidee des Buches finde ich deshalb wirklich interessant.
Allerdings werden im Buch Geschichten von verschiedenen Lieferfahrern in unterschiedlichen Ländern ohne größeren Zusammenhang erzählt. Zwischendurch tauchen auch andere Dienstleister auf, was teilweise etwas überraschend wirkt. Die einzelnen Figuren haben unterschiedliche Hintergründe, aber letztlich ähnliche Probleme: Sie müssen Geld verdienen und haben kaum Möglichkeiten, in stabilen oder gut bezahlten Jobs zu arbeiten. Dieser Blick auf ihre Lebensrealität hätte eigentlich sehr eindrucksvoll sein können.Leider liegt für mich genau hier auch das Problem des Buches. Viele der Geschichten wirken sehr fragmentarisch und zusammenhanglos. Sie beginnen oft interessant, finden aber kein richtiges Ende oder zumindest keinen vorläufigen Abschluss. Dadurch hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass die Geschichten eher wie Skizzen oder Ideen wirken als wie ausgearbeitete Erzählungen.
Mein Leseerlebnis war dadurch ziemlich wechselhaft: Am Anfang fand ich das Buch spannend, dann hatte ich zwischendurch das Gefühl, vielleicht doch aufzuhören. Später wurde es wieder interessanter und am Ende habe ich mich trotzdem gefragt, warum das Ganze eigentlich so abrupt und offen endet.
Besonders der letzte Teil des Buches hat mich etwas irritiert. Inhaltlich wirkt er im Vergleich zu den vorherigen Themen fast fremd und hat bei mir eher Verwirrung als ein rundes Gesamtbild hinterlassen.
Insgesamt finde ich die Idee und das Thema wirklich gelungen, aber die Umsetzung hat mich nicht ganz überzeugt.
Fazit: Eine spannende Grundidee mit wichtigen Themen, die jedoch durch die fragmentarische Erzählweise und fehlende Abschlüsse der Geschichten an Wirkung verliert.