Lieferservice
Wie oft haben wir uns schon spätabends eine Pizza liefern lassen, egal ob es gewittert oder schneit, nie haben wir darüber nachgedacht, wie es den Pizzaboten wohl ergeht. In diesem Buch wird uns klar und ohne viel Beschönigung die Arbeit und das Leben dieser Essenslieferanten dargestellt. Es führt uns von Berlin nach TelAviv, Istanbul, Dehli und Bunos Aires. Filmon aus Eritrea kennt seine eigene Tochter nicht, die mit seiner Frau in Berlin lebt. Bis heute hat er das Geld noch nicht beisammen, obwohl er als Lieferant für verschiedene Lokale tätig ist. Ramon verunglückt bei einer dieser Fahrten tödlich, sie müssen schnell sein, das Essen darf nicht kalt werden, aber im Straßenverkehr wird auf die E-Bike- oder Motorradfahrer mit ihren Boxen keine Rücksicht genommen. Ein anderer junger Mann wollte studieren, es klappte nicht und so verdient er sich als Fahrradkurier seinen Unterhalt. Das Buch zeigt uns die schwierige Situation wie diese Menschen schuften müssen. Sie dürfen sich keine Fehler erlauben, haben teils alte Fahrräder. Eine wirklich sehr an die Substanz gehende Tätigkeit. Andernteils wirkt das Buch auch ein wenig amüsant, erzählt es uns doch von zwei jungen Männern in Berlin, die nach Istanbul reisen, um sich einer Haartransplantation zu unterziehen. Und am Ende erzählt uns das Buch von einer Rosenplantage in Afrika, wo die Menschen unter Akkord die Rosen schneiden und pflegen müssen, damit wir für den Valentins- oder Muttertag schöne und günstige Rosen haben. Mich hat das Buch tief berührt und Einblicke in das tägliche Leben der Essenslieferanten gegeben, die für den Mindestlohn sieben Tage in der Woche schuften müssen. Der Autor erzählt uns schnörkellos das harte Leben dieser Menschen. Die einzelnen Abschnitte sind alle sehr lebensnah. Das minimalistische blaue Cover zeigt uns einen Lieferanten auf dem Weg zu einem Kunden.