Femizid

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Femizid, ein Thema, das mehr Raum in der Öffentlichkeit einnehmen sollte, um hier ein Problembewusstsein zu schaffen. Von daher ist es gut, dass sich gerade die Angehörige eines Opfers der Sache annimmt. Doch ist die Brisanz des Themas und das Leid des Opfers und der Hinterbliebenen kein Qualitätskriterium für die praktische Umsetzung des Buchprojektes. Die Autorin beschreibt zunächst ihre Familie und das Leben ihrer Schwester. Der Text hat ziemliche Längen, die Passagen wirken eher zäh, alles plätschert so dahin. Ob dies an der Autorin liegt oder an der Übersetzerin, vermag ich nicht zu beurteilen. Auch klingen die emotionalen Ausführungen mittelamerikanischer Studenten in den Ohren einer unterkühlten Mitteleuropäerin teilweise ziemlich realitätsfern und melodramatisch, doch das mag eine Typfrage sein. Das Opfer wird extrem idealisiert, was der Trauer geschuldet sein dürfte. Die Idee, das Ganze zu bebildern, finde ich sehr gut, es lockert den kompakten Text etwas auf. Leider gibt es keine Bildunterschriften, man muss die Zusammenhänge erraten, Hinweise im Text kommen -wenn überhaupt- erst einige Seiten später, was wiederum viel wegnimmt. Mit dem Täter und der eigentlichen Tat setzt sich die Autorin nur ansatzweise auseinander, hier stimmt die Relation zur Vorgeschichte nicht. Insgesamt wird das Buch seinem Anspruch nicht voll gerecht.