Vom Beigeschmack des Erwachsenwerdens

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noiram Avatar

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Die Leseprobe zu „Little Hollywood“ hat mich sofort in die Gefühlswelt von Leonie versetzt, die gerade ihre letzte Abiturklausur hinter sich gebracht hat. Die Stimmung im Text schwankt wunderbar zwischen der euphorischen Aufbruchstimmung eines beginnenden Sommers und der herben Enttäuschung des Erwachsenwerdens. Besonders die Szene am See, in der Leonie vergeblich auf Olli wartet, ist so einfühlsam beschrieben, dass man ihren Schmerz fast körperlich spüren kann.
​Die Charaktere wirken sehr authentisch und lebendig. Leonie ist eine Protagonistin, die sich in Filmen verliert, um der Realität zu entfliehen, was mir sehr sympathisch war. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter wird sehr differenziert dargestellt; man spürt die unterspannte Atmosphäre zu Hause und den verzweifelten Versuch der Mutter, trotz eigener Krisen eine gute Elternfigur zu sein. Die Art, wie die Mutter versucht, Probleme einfach „wegzusaugen“, ist ein starkes Bild für die Verdrängungsmechanismen in der Familie.
​Der Schreibstil von Inga Hanka ist angenehm unaufgeregt und doch voller schöner Details, wie der Beschreibung der „Todesroute“ oder dem Gefühl von „Brause in der Lunge“ vor lauter Vorfreude. Das Ende der Leseprobe, als Leonie Olli im Hinterzimmer der Videothek entdeckt, lässt einen mit einer Mischung aus Wut und Neugier zurück. Ich möchte unbedingt wissen, ob Leonie es schafft, aus ihrem alten Leben auszubrechen