Coming-of-Age-Roman mit 90-Jahre-Nostalgie

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
lauraliest Avatar

Von

Inga Hankas Roman "Little Hollywood" überzeugt vor allem durch seine dichte, nostalgische Atmosphäre. Die 90er Jahre werden lebendig eingefangen – mit all ihren Stimmungen, Unsicherheiten und leisen Zwischentönen. Diese zeitliche Verortung verleiht dem Roman eine besondere Authentizität, die beim Lesen immer wieder berührt. Dabei spielt auch das Setting der Videothek eine sehr zentrale, stimmungsgebende Rolle. Titel und Cover runden das 90er-Jahre-Lebensgefühl ab.

Inhaltlich erinnert die Geschichte stellenweise an Caroline Wahls "22 Bahnen": Die Dynamik zwischen Geschwistern, insbesondere die Rolle der älteren Schwester, das wiederkehrende Motiv des Schwimmens sowie die Darstellung einer alleinerziehenden, überforderten Mutter schaffen vertraute emotionale Anknüpfungspunkte. Diese Parallelen wirken jedoch weniger wie ein Nachteil, sondern eher wie ein erzählerischer Resonanzraum, in dem sich ähnliche Themen neu entfalten.

Trotz vieler gelungener Momente bleibt am Ende ein kleiner Kritikpunkt: Es fehlt das gewisse Etwas, das den Roman wirklich herausragen lässt. Die Geschichte ist stimmig und atmosphärisch dicht, sie hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck jefoch eher in Form einer nostalgischen Atmosphäre, als einer überragenden Handlung. Dies ist nicht zwangsläufig schlecht, jedoch fehlt hier das letzte Bisschen, um ein absolutes Lesehighlight zu sein.

Insgesamt ein äußerst lesenswerter Roman - nicht nur für Millennials - mit sehr viel Gefühl für Zeit und Figuren. 4,5 Sterne