Das Ende des Sommers merkt man abends zuerst

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
annie04 Avatar

Von

Der Roman „Little Hollywood“ von Inga Hanka erzählt die Geschichte von Leo, die nach dem Abitur noch nicht so richtig weiß wohin. Es ist der letzte Sommer des Jahrtausends, in dem alles noch analog läuft und auch noch kein Social Media existiert. Die Geschichte hat mich sehr berührt, nicht nur die Protagonisten Leo wurde plastisch dargestellt, sondern auch passende Worte für die zwischenmenschlichen Beziehungen gefunden. Außerdem wurden Filmzitate und Referenzen eingebracht , gerade für Filmliebhaber besonders schön. Die Welt der Videothek, des Little Hollywoods, wird als ein ganz besonderer Ort gezeichnet, als ein Ort, an dem Leo sich zurückziehen kann. Man kann sich gut in die Protagonistin hineinversetzen und nachempfinden, auf welche Weise sie sich verloren fühlt, welche Sorgen, Ängste und Zweifel sie hat. Den Schreibstil fand ich sehr bedacht. Es waren viele kluge Sätze und Erkenntnisse, die man sich gerne merkt. Auf den Seiten wurde die schwüle Sommerhits spürbar, aber sowohl das drückende als auch gleichzeitig das leichte Gefühl von Jugendlichkeit. Die Autorin fand immer die richtigen Worte, um in einer Situation eine bestimmte Stimmung zu transportieren. Man hat sich zurückgesetzt gefühlt in die Zeit nach der Schule, auch wenn es schon etwas her ist und das Gefühl auf der Suche zu sein. Am Ende steht jedoch die Erkenntnis, dass man eigentlich schon da ist, da Hier und Jetzt zählt. Ich würde das Buch vor allem, aber nicht nur, für Fans von Benedict Wells Hard Land empfehlen. Hier gibt es einige Parallele, wie das Kino als Rückzugsort und dieses nostalgische Gefühle der achtziger Jahre, welches in Hankas Roman das nostalgische Gefühl der Neunzigerjahre ist. Es ist also ein Coming of Age Roman mit klugen Gedanken, in dem familiäre Konflikte mit der ersten Liebe und dem Aufbruch und Loslösen der Protagonisten verbunden wird.