Für Fans von Caroline Wahl

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Die Geschichte von Leo, ihrem kleinen Bruder Ben, ihrem Freund Jo und ihrer depressiven Mutter erinnert stark an den Debütroman von Caroline Wahl. Alle, die von ihrem 3. Band eher enttäuscht waren, weil die Story darin etwas anders ausgerichtet war, dürften mit dem Roman „Little Hollywood“ einen passenden Ausgleich finden.
Leo hat grad ihr Abi gemacht, sie treibt ein wenig ziellos durch den Sommer. Ihre Mutter leidet unter depressiven Episoden und Angst vor dem gewalttätigen Vater, der die Familie verließ, als Leo noch klein war. Leo kümmert sich derweil um ihren kleinen Bruder Ben. Ansonsten verbringt sie ihre Zeit mit Arbeiten in dem Café, in dem auch ihre Mutter arbeitet, mit Besuchen am Waldsee und mit ihren Freunden. Ihre Leidenschaft sind Videofilme, die sie sich in der kleinen Videothek „Little Hollywood“ ausleiht. Dabei nervt sie das Spiel „Wahrheit oder Pflicht“, das Jo, ebenfalls aus ihrem Jahrgang und Jobber in der Videothek, mit ihr spielt, wenn sie eine DVD ausleiht. Doch bald stellt Leo fest, dass Jo keinesfalls nervig, sondern vielmehr recht interessant ist. Und dann ist da auch noch ihr Vater, der immer mal wieder wie ein drohender Schatten auftaucht.
Das Buch nimmt einen gleich mit in die Story. Leo ist eine sympathische Heldin, deren Gefühlsleben sich gut nachvollziehen lässt. Der Ton der Erzählung ist überwiegend leise und lässt dem Leser Raum für eigene Emotionen. Lediglich der Schluss ist etwas überdramatisiert. Die Beziehung zwischen den Figuren sehr unterschiedlich. Leo und Ben verbindet eine innige Geschwisterliebe, auch wohl bedingt durch das schwierige Verhältnis zur Mutter, das zwischen Unnahbarkeit und purer Aggression schwankt bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit. Die Beziehung zu Jo entwickelt sich ganz vorsichtig.
Was der Roman gut transportiert ist die Sommerstimmung zwischen Unsicherheit und Aufbruch in etwas Neues. Er lässt Raum für – bisweilen ganz simple, aber – schöne Momente, die immer wieder getrübt werden von den Schatten der Vergangenheit und dem fehlenden Vertrauen auf eine bessere Zukunft. Erwachsenwerden ist nicht einfach, besonders dann, wenn die Erwachsenen es einem so schwer machen. Dabei weiß man gar nicht ganz genau, was nun eigentlich vorgefallen ist zwischen Leos Eltern. Man weiß um die Gewalttätigkeiten des Vaters, aber auch um die Aggressionen der Mutter. Der Vater fordert immer mal wieder Einlass in das Leben der Kinder, die Mutter sucht, ihn zu verbannen. Für den Leser ist das nicht richtig nachvollziehbar. Das lässt einen kleinen Wermutstropfen zurück. Er kann sich kein Urteil bilden und fühlt sich vom Verhalten der Mutter auch häufig ein wenig schockiert.
Der Roman ist auf jeden Fall gut zu lesen, er wirkt allerdings oft auch wie ein Remake von „22 Bahnen“. Nur ist hier nicht das Schwimmen das Leitmotiv, sondern die Leidenschaft für Videofilme. Das allerdings ist eine wirklich gelungene Idee, denn daraus ergeben sich viele Ansatzpunkte für die Handlung.