Herz-Wort-Nostalgie

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karla.eklund Avatar

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Leo will ausbrechen. Aus der Frage, ob dieser Kuss mit Olli jetzt was bedeutet, ob sie das überhaupt will, und ob sich Verlieben nicht größer anfühlen müsste. Aus der winzigen Wohnung, in der sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder lebt, wo nie ein Fenster einfach offengelassen werden darf und manchmal der Stuhl unter der Türklinke klemmt. Sie will nicht das Mädchen mit dem Ahlo-Vater und der kontrollierenden Mutter sein, sie will Drehbuch in Köln studieren, aber irgendwie hängt sie eben doch an dieser Stadt, am Tochter- und Schwester-Sein, an allem. Ganz besonders an Little Hollywood, der Videothek, wo sie Abenteuer anprobiert und mit Jo Filmzitate tauscht. Und überhaupt: Jo. Von ihm will sie kein bisschen frei sein, im Gegenteil, mit ihm dürfte dieser Sommer gern ewig dauern.
Inga Hankas Coming-of-Age-Roman sprüht vor Nostalgie. Sprachlich dicht nimmt uns die Autorin mit durch Leos Sommer nach dem Abi, gewürzt mit Filmzitaten und Ein-Wort-Poesie, Wodka-O und Nachmittagen am See. Sie erzählt von ersten Küssen und letzten Partys mit der Clique, die nie so richtig toll sind, aber dabei sein gehört dazu. Das alles hat es mir leicht gemacht, in die Geschichte zu finden, und umso schwerer, das Buch aus der Hand zu legen. „Was wichtig war, weiß man doch immer erst hinterher“, sagt Jo, aber bei dieser Geschichte wusste ich schon von der ersten Seite an, dass sie ein Echo hinterlassen würde, und sie hat dieses Versprechen gehalten. Eine große Empfehlung, nicht nur für Millennials und Räubertöchter, aber ganz besonders für die.
Danke an Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar.