Nostalgische Sommerlektüre

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🎬 Der Roman „Little Hollywood" von Inga Hanka ist eine sommerliche und nostalgische Coming-of-Age-Geschichte, die im Jahr 1999 spielt. Wir begleiten die Protagonistin Leo von Mai bis September. Sie macht ihr Abitur und träumt davon, in Köln "Drehbuchschreiben" zu studieren.

🎬 Ich habe diese 90er-Jahre-Vibes richtig geliebt: süße Tüten am Büdchen kaufen, Bravo-Hits hören, Post-its schreiben, in Telefonzellen telefonieren und Filme in der Videothek „Little Hollywood" ausleihen. Dies ist Leos Zufluchtsort, da sie Filme über alles liebt und dort auch Jo arbeitet. Im Laufe der Geschichte kommen sich die beiden näher. Auf eine gewisse Art und Weise heilen sie etwas im anderen.

🎬 Neben der sommerlichen Leichtigkeit war der Text voller Schwere, und der Schreibstil sehr melancholisch und sehnsuchtsvoll. Zwischen dem Nebenjob im Café, Freibadbesuchen und Partys gab es auch viele Briefe vom Anwalt, Ängste und traumatische Erinnerungen an häusliche Gewalt. Die ständige Angst vor dem Vater war auf jeder Seite spürbar und allgegenwärtig.

🎬 Ben, den kleinen Bruder von Leo, habe ich richtig in mein Herz geschlossen, und auch Leo war eine starke Protagonistin, die ihren Träumen trotz der schweren Lasten immer treu geblieben ist. Man schwebt durch die Seiten und durch die Gedanken der Protagonistin, nur um doch wieder auf den Boden der Tatsachen zu landen.

🎬 Der Roman hat sehr viel in mir bewegt und mich an einigen Stellen zu Tränen gerührt. Ich empfehle das Buch  allen, die eine sommerliche Lektüre mit Tiefgang und 90er-Jahre-Vibes suchen.

🎬 Lieblingszitate

"Und manchmal frage ich mich, was schlimmer ist: sich an etwas erinnern zu können und den Schmerz dabei zu spüren oder sich nicht an etwas erinnern zu können und den Schmerz trotzdem zu spüren."

"Ob dich etwas umbringt oder dich wiederbelebt, ob es das Ende ist oder du Geschichte schreibst, das kannst du niemals vorher wissen. Dir bleibt nichts anderes übrig, als es einfach zu probieren. "

"Also begann ich zu singen, denn meine Mutter hatte mir mal erzählt, man könne nicht gleichzeitig singen und Angst haben. Doch das war gelogen. "
(...)Später, als mein Vater von außen gegen die Kinderzimmertür trommelte, stellte ich mir vor, ich wäre Ronja Räubertochter; und das half viel besser, als zu singen."

"Die schmale Straße zwischen den Reihenhäusern kommt mir vor, als führte sie in unendliche Weite. Ich stelle mich auf die Pedale und möchte am liebsten die Arme ausbreiten, aber ich lasse mich nur rollen und strecke das Gesicht der aufgehenden Sonne entgegen. "

"Das monotone Dröhnen des Motors, das sanfte Ruckeln von achtzig Stundenkilometern. Es fühlt sich an, als rollten wir in die Unendlichkeit. Für immer will ich Sommernächte auf Autobahnen verbringen, denke ich, als es beginnt zu dämmern. "