Sind wir nicht alle ein bisschen Little Hollywood?

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alexx4u Avatar

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Die Atmosphäre des Settings ist zum Greifen dicht... wie könnte ein Titel passender sein als Little Hollywood für diese Zeit zwischen Teenager-Drama, 90er-Dekadenz und Jahrtausendwende, Leichtigkeit und Schwere gleichzeitig, genau wie Einsamkeit und Gemeinsamkeit: der Roman beschreibt nicht nur das Lebensgefühl einer Dekade, sondern auch ihre Widersprüche, was familiär so hinter den Kulissen abgehen kann, wenn doch vordergründig alles so unbeschwert erscheint.

Und Leo, die Hauptperson, gerade Abi gemacht - der letzte Jahrgang vor dem neuen Millenium, Aufbruchsstimmung überall, die Welt und die Zukunft vor Füßen, erlebt gerade ihr eigenes Little Hollywood an einem Ort, der natürlich sinnbildlich dafür steht: in einer Videothek. Irgendwo zwischen Herzschmerz und erster Lovestory - und mit dem Wissen, dass es stets Licht und Schatten gibt.

Auffällig: Die Geschichte erinnert immer wieder an "22 Bahnen" von Caroline Wahl, spielt nur etwa 25 Jahre vorher. Ohne Smartphones und digitale Kanäle, aber mit ähnlichen Sorgen, ähnlichen Fluchten - und ja, auch so geschrieben, dass sich der Leser im Text verlieren kann, trotzdem im eigenen Stil und kann dahingehend dann eben doch nicht ihrer der prägnanten, treffsicheren Sprache mithalten.

Dennoch eine klare Empfehlung, eine herrliche Hommage an eine rückblickend scheinbar unbeschwere Zeit!