Düster, ungewöhnlich und anders als erwartet

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helen_wlm Avatar

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Little Mushroom von Yi Shi Si Zhou ist definitiv eine Geschichte, die mir im Kopf geblieben ist. Schon die Idee, einen Pilz zur Hauptfigur zu machen, fand ich total ungewöhnlich und spannend. An Zhe nimmt menschliche Gestalt an und macht sich auf die Suche nach seiner verlorenen Spore. Dafür muss er sich in eine der letzten menschlichen Siedlungen wagen, wo Mutationen, Monster und der tägliche Kampf ums Überleben zum Alltag gehören. Besonders gefährlich wird es für ihn durch Lu Feng, einen gefürchteten Inquisitor, der Jagd auf Wesen wie ihn macht.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist die düstere Atmosphäre. Auch wenn man es vielleicht nicht direkt erwartet, ist die Geschichte stellenweise ziemlich brutal und bedrückend. Die Menschheit kämpft ums Überleben, und dabei stellt sich immer wieder die Frage, wie weit man gehen darf, um die eigene Art zu retten. Die Welt ist teilweise echt erschreckend, aber gleichzeitig auch unglaublich interessant. Vor allem fand ich es spannend, die menschliche Gesellschaft aus der Sicht von An Zhe zu erleben, der selbst gar kein Mensch ist und vieles ganz anders wahrnimmt.
An Zhe mochte ich mit seiner ruhigen und eher unschuldigen Art ziemlich gern. Gerade weil er so anders ist als die Menschen um ihn herum, entstehen manchmal interessante und überraschende Situationen. Lu Feng fand ich dagegen deutlich schwieriger einzuschätzen. Seine kalte und gnadenlose Art macht ihn zwar spannend, aber ich hätte mir stellenweise gewünscht, etwas mehr über seine Gedanken und Gefühle zu erfahren. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich eher langsam und besteht vor allem aus kleinen Momenten und Andeutungen. Wer bei Boys Love viel Romantik und Nähe erwartet, sollte allerdings wissen, dass hier die dystopische Handlung klar im Vordergrund steht. Mir hat diese Dynamik aber gut gefallen.

Den Handlungsverlauf fand ich stellenweise ziemlich sprunghaft. Es kommen viele Informationen, Figuren und neue Entwicklungen zusammen, die nicht immer ganz fließend ineinandergreifen. Dadurch habe ich gelegentlich den Überblick verloren und konnte auch nicht immer so richtig mit den Figuren mitfühlen. Trotzdem war die Geschichte spannend genug, dass ich wissen wollte, wie es weitergeht.

Insgesamt ist Little Mushroom 1 für mich ein besonderes Buch, das vor allem mit seiner ungewöhnlichen Idee, der düsteren Welt und der interessanten Dynamik zwischen An Zhe und Lu Feng überzeugen kann. Auch wenn mich nicht alles komplett abgeholt hat, hat mir die Geschichte gut gefallen und ich bin neugierig, wie es im zweiten Band weitergeht.

Mein Fazit: Vier Sterne für eine außergewöhnliche und düstere Danmei-Geschichte, die sich von vielen anderen Boys-Love-Romanen abhebt. Ich würde das Buch allen empfehlen, die BL mit dystopischer Fantasy und moralischen Fragen mögen und kein Problem damit haben, wenn die Liebesgeschichte eher im Hintergrund bleibt. Eine leichte Wohlfühlgeschichte sollte man hier jedenfalls nicht erwarten. Und auch mit dem teilweise sprunghaften Handlungsverlauf muss man sich ein bisschen arrangieren können.