Schonungslos

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Das Cover von Löwe wirkt auf den ersten Blick klar und reduziert, fast kühl – und gerade dadurch sehr eindringlich. Die großen blauen Buchstaben auf dem hellen Grün und das schwarz-weiße Foto eines Kindes zwischen Erwachsenen erzeugen sofort eine Atmosphäre von Erinnerung, Herkunft und innerer Distanz.
Die Leseprobe hat mich sprachlich sehr beeindruckt. Sonya Walger schreibt dicht, präzise und mit einer fast schmerzhaften Klarheit über Familie, Abwesenheit und die Macht alter Kindheitserinnerungen. Besonders der Einstieg über die Mutter, die geblieben ist, während das Buch doch dem abwesenden Vater gilt, trifft unmittelbar ins Herz. Darin liegt etwas Unbequemes und zugleich zutiefst Menschliches.
Auch die Szene mit dem „Weihnachtsmann“ am Kindergeburtstag bleibt hängen: Auf den ersten Blick wirkt sie beinahe skurril, doch darunter liegt eine tiefe Verunsicherung. Das Kind spürt, dass etwas nicht stimmt, lange bevor es die Situation wirklich verstehen kann.
Ich würde das Buch sehr gerne weiterlesen, weil die Leseprobe einen literarisch feinen, ehrlichen und emotional komplexen Roman verspricht – über Eltern, Erinnerung, Verrat, Liebe und die Frage, wie man über einen Menschen schreibt, der gegangen ist, ohne die zu verletzen, die geblieben ist.