Einsamkeit und Sehnsucht einer Löwentochter

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violettera Avatar

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Sonya Walger hat sich diese autobiografische Geschichte ihrer Beziehung zum übermächtigen, charismatischen Vater, der nie wirklich für sie da war, von der Seele geschrieben. Sie war das Kind einer großen Liebe, aber die Ehe wurde früh geschieden. So wuchs sie auf in zwei grundverschiedenen Welten. Sonyas alleinerziehende Mutter hat sie liebevoll umsorgt und zu immerwährender Freundlichkeit erzogen. Die Mutter war ihr Fels, auf den sie sich verlassen konnte.
Ganz anders der Vater, der immer wieder verschwand, oft monatelang, wohin auch immer. Weder Mutter noch Tochter konnte er Sicherheit bieten. Er war ein schöner, prächtiger Mann, Argentinier, mit großen Träumen, aber ohne festen Beruf. Er lebte von zwielichtigen Geschäften, die ihn begeisterten und immer wieder in den Ruin trieben, einmal sogar ins Gefängnis brachten. Zu Reichtum kam er durch seine zweite Ehe mit einer Peruanerin, lebte auf großem Fuß und pflegte teure Hobbys, z.B. als Rennfahrer. Auch diese Ehe scheiterte, wie auch die dritte. Sonya liebte und bewunderte ihren großspurigen Vater, den seine Freunde Löwe nannten und der auf der Jagd nach Anerkennung immer neue Herausforderungen suchte. Sie war als Kind oft bei ihm, auch auf Reisen und in Peru, er verwöhnte sie dann. Er führte ein unstetes Leben zwischen Reichtum und Mittellosigkeit, Bewunderung und Verachtung, Erfolg und Scheitern. Er war egozentrisch, ertrug keine Scham, konnte seine Gefühle schlecht zeigen, war unzuverlässig und brach seine Versprechen. Mit ihrem Buch benennt die Autorin endlich all die Verletzungen und Enttäuschungen, ihre Sehnsucht nach der väterlichen Liebe, und ihre gewaltige Einsamkeit, über die sie nie hat sprechen können, nicht mit Freundinnen, nicht mit der Mutter oder ihren verschiedenen Halbgeschwistern aus den Ehen des Vaters und der Mutter. Diese Einsamkeit teilt sie mit dem Vater.
Sonya Walgers Sprache fasziniert mich von der ersten Seite an. In klaren, knappen Sätzen und immer im Präsens erzählt sie ihre Erinnerungen, wie sie auftauchen, chronologisch ungeordnet, und zieht uns mitten hinein. Dieses Buch ist keine leichte Kost, aber eine literarische Perle.