Zu wenig Löwe

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elinor Avatar

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„Löwe“ ist der Roman über einen außergewöhnlichen Mann mit einem außergewöhnlichen Leben, erzählt aus der Perspektive seiner ältesten Tochter, der Autorin. Sonya Walger beschreibt ihr Leben mit ihm in einer ebenso außergewöhnlichen Erzählform, springt in der Zeit hin und her, wie es ihr gefällt. Sie beleuchtet dabei immer nur einzelne Punkte in ihrem eigenen Leben, dem ihres Vaters und der Menschen um ihn herum.
Sie schreibt natürlich alles aus ihrer Wahrnehmungsperspektive und kann letztlich nur das erzählen, was sie von ihrem Vater weiß, oft aus erster Hand, manchmal auch aus zweiter. Doch mir ist das zu wenig. Erst im letzten Viertel des Buches erfahre ich mehr von dem Mann, den seine späten Freunde „Löwe“ nennen, und wie er zu dem Spitznamen kam. Doch große Teile seines Lebens, z.B. seine Zeit als Rennfahrer oder seine obskuren Geschäfte, werden nur am Rande erwähnt und bleiben mysteriös.
Letztlich ist es also doch eher ein Roman über die Autorin selbst, was den Titel des Buches merkwürdig erscheinen lässt und Erwartungen weckt, die nicht erfüllt werden.
Mich lässt das Buch mit dem Gefühl zurück, dass ich auf einen extraordinären Mann nur einen kleinen Blick erhaschen durfte und noch viel mehr zu sehen gewesen wäre, wenn man mich ein bisschen näher herangelassen hätte — vielleicht ganz so, wie es Walger selbst mit ihrem Vater erging.