Verführerische Dunkelheit und göttliche Intrigen

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Der Auftakt der epischen Romantasy-Dilogie entführt den Leser in eine Welt antiker Götter, deren Macht und Moral in schmalen Grauzonen verharren. Loki, der als König der morally grey Characters beschrieben wird, tritt als komplexe Figur auf, deren Charme und Geheimnis eine zugleich verführerische wie bedrohliche Anziehung entfalten. Die Protagonistin Harlow ist eine entschlossene junge Frau, die ihr Heimatdorf vor einem Angriff schützt und durch den Verlust ihrer besten Freundin zu einer riskanten Allianz mit Loki getrieben wird. Ihr Ziel ist einfach und doch riskant: Sie will ein Heilmittel beschaffen, indem sie Loki bei der Beschaffung des heiligen Liebespfeils von Amor unterstützt.
Der Verlauf der Handlung wird durch einen gefährlichen Fluch geprägt, der die beiden dazu zwingt, sich nicht zu nah zu kommen, ohne tödliche Schmerzen zu riskieren. Diese Prämisse erzeugt eine spürbare Spannung und eine moralische Zwickmühle, die die Charaktere zwingt, über ihre Vorurteile hinauszusehen. Mit jeder gemeinsamen Herausforderung rücken Harlow und Loki näher zusammen, und Harlow beginnt, ihre bisherigen Überzeugungen über Loki zu hinterfragen. Unterschwellig wird ein Plan angedeutet, der das Potenzial hat, die Welt ins Chaos zu stürzen, was die Dramatik der Erzählung spürbar erhöht.
Der Schreibstil überzeugt durch eine klare, flüssige Prosa und eine bildhafte Sprache, die das Reich antiker Götter greifbar macht, ohne dabei ins Überladen zu kippen. Der Perspektivwechsel zwischen Loki und Harlow etabliert früh eine facettenreiche Sichtweise und verleiht der Handlung Tiefe. Politische Intrigen, moralische Grau- bzw. Zwischentöne und emotionale Konflikte sind geschickt miteinander verwoben und tragen zur Spannung bei. Harlow erscheint als Charakter voller Entschlossenheit und Mut, zugleich aber verletzlich und glaubwürdig – ein Gegenüber zu einem Loki, der charismatisch, geheimnisvoll und so komplex ist, wie man es sich von einem morally grey Gott erhofft.

Die Dialoge sprühen vor Intensität, die Atmosphäre ist zugleich magisch und leicht düster, und die Dynamik zwischen den Figuren weckt sofort Neugier auf mehr. Insgesamt hinterlässt die Leseprobe einen stimmigen Eindruck und verspricht eine fesselnde Romantasy, die von Spannung, Emotionen und göttlicher Verführung getragen wird. Das Cover ergänzt die Erzählung treffend und fungiert als ästhetischer Hingucker, der das Setting visuell wirkungsvoll unterstreicht. Das Motiv, dass Harlow zu außergewöhnlichen Mitteln greift, um das Leben ihrer geliebten Freundin zu retten, macht die erzählte Geschichte zusätzlich dramatisch und emotional nachvollziehbar.

Fazit: Der Auftakt überzeugt durch eine starke Prämisse, eine atmosphärische Umsetzung und vielversprechende Figurenentwicklung. Leserinnen und Leser, die dunkle, politisch geprägte Romantasy mit moralischen Konflikten schätzen, dürften hier auf ihre Kosten kommen. Ich freue mich auf den weiteren Verlauf und darauf, mehr von dieser vielschichtigen göttlichen Welt zu erfahren