Ein Funke Mythologie, der nicht ganz zur Flamme wurde

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reishimura Avatar

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Mit dem ersten Buch ihrer Loki Dilogie taucht die Autorin Franka Neubauer tief sowohl in die griechische als auch in die nordische Mythologie ein, vermischt beide und erschafft etwas Neues daraus. Die Ansätze des Buches haben mir gut gefallen und im Großen und Ganzen habe ich mich auch gut unterhalten gefühlt, restlos überzeugen konnte es mich aber nicht.

Die Geschichte wird vornehmlich aus Sicht der weiblichen Hauptperson, der Agrai Harlow, geschildert. Nur in wenigen Kapiteln dürfen wir einen Blick auf Lokis Gedanken und Gefühle werfen. Dies war bereits der erste Punkt, der mich ein wenig gestört hat, auch wenn ich nachvollziehen kann, warum die Autorin sich für diese Vorgehensweise entschieden hat. Loki bleibt dadurch unnahbarer und geheimnisvoller, die Spannungskurve steigert sich dadurch ein wenig und es kommt zu der einen oder anderen Überraschung. Dennoch denke ich mir, dass man dies auch umsetzen hätte können, wenn es mehr Kapitel aus Lokis Blickwinkel gegeben hätte.

Harlow ist eine Kriegerin der Artemis, welche in diesem Buch als Agrai bezeichnet werden. Diese Kriegerinnen zeichnen sich durch ihre Stärke, ihr andauerndes Training, eine unsterbliche Seele und ihren Verzicht auf Liebe aus. Das Harlow diesen Anforderungen nicht ganz entsprechen wird, hatte ich zu Beginn des Buches bereits vermutet. Wie weit sie von dem Idealbild der Agrai abweicht, hat mich dann doch ein wenig überrascht und auch enttäuscht. Für meinen Geschmack war sie aber viel oft zu naiv und gutgläubig. Gerade aufgrund ihrer Vergangenheit war dies für mich nicht rund.

Franka Neubauers Schreibstil ist ansprechend und sie weiß, wie man eine Geschichte erzählt. Ihr Fokus liegt vornehmlich aber auf den Charakteren und weniger auf der Welt und der Umgebung, in der sich diese bewegen. Zwar gibt es immer wieder mal Beschreibungen der Umwelt und auch die Vergangenheit der beiden Welten, der sterblichen und der göttlichen, werden erwähnt, kommt aber in Summe auf jeden Fall zu kurz. Einiges davon wird sicher im zweiten Teil detaillierter ausgeführt werden, vor allem, was die vergangenen Ereignisse betrifft.
Mein Highlight des Buches war auf jeden Fall Kaia, ein kleiner Wassergeist, der uns im Laufe der Geschichte immer wieder begegnet. Ihre Relevanz für die Geschichte würde ich als sehr niedrig einstufen, dafür bringt Kaia ein wenig Niedlichkeit und Humor in die Geschichte. Kaias Auftreten erinnerte mich ein wenig an den klassischen, tierischen Disney Sidekick. Wobei diese öfters doch eine wichtigere Rolle spielen.

Ein Punkt, der für mich gänzlich unverständlich war, ist die Tatsache, dass das Buch sowohl einen englischen Titel als auch englische Kapitelbezeichnungen hat. Dies finde ich bei einer deutschen Autorin als unangebracht und wenn mir bewusst ist, dass Englisch immer mehr ins Deutsche einfließt.

Das Buch war zwar keine absolute Enttäuschung, dennoch wurden meine Erwartungen nicht erfüllt, da das Buch weniger spannend und fesselnd war. Dieses Buch ist meiner Meinung nach vornehmlich für all jene geeignet, die Lust haben die Götterwelt aus einer völlig neuen Perspektive kennenzulernen.