Ein Pakt mit dem Gott des Chaos

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Harlow kennt kein anderes Leben als den Kampf. Als Agrai wurde sie dazu erzogen, zu beschützen, zu gehorchen und niemals Schwäche zu zeigen. Gefühle – vor allem Liebe – sind verboten und werden grausam bestraft. Doch als ihr Lager angegriffen wird und ihre einzige Vertraute Asra einem tödlichen Gift erliegt, bleibt Harlow keine Wahl: Um sie zu retten, muss sie das betreten, was sie am meisten verachtet – die Welt der Götter. Abyssos. Und dort begegnet sie ausgerechnet Loki.
Was mich von Beginn an gepackt hat, war die düstere, raue Grundstimmung der Geschichte. Franka Neubauer schafft es, eine Welt aufzubauen, die sich gefährlich und lebendig zugleich anfühlt. Die Agrai, dieser fanatische Schwesternbund, ist ebenso faszinierend wie erschreckend – besonders durch die unmenschlichen Regeln, unter denen Harlow leidet. Ihre Herkunft als Tochter einer Verräterin macht sie zur Außenseiterin, und genau dieser innere Konflikt verleiht ihr Tiefe. Harlow ist keine perfekte Heldin, sondern eine Kriegerin mit Zweifeln, Wut und einem starken moralischen Kompass, auch wenn sie nicht immer alles hinterfragt, was man ihr vorsetzt.
Loki ist dabei weit mehr als nur der charmante Gott des Chaos. Er ist manipulativ, wortgewandt, geheimnisvoll – und genau deshalb so schwer einzuschätzen. Die Kapitel aus seiner Perspektive haben mir besonders gut gefallen, weil sie Einblicke in seine Zerrissenheit geben. Man spürt, dass er mehr verbirgt, als er zeigt, und doch wirken seine Gefühle für Harlow nicht gespielt. Diese Spannung zwischen Vertrauen und Misstrauen trägt die Geschichte enorm. Ihre Dynamik ist prickelnd, voller Wortgefechte, unterschwelliger Anziehung und emotionaler Unsicherheit. Der Romance-Anteil entwickelt sich langsam, aber nachvollziehbar – inklusive Spice, der sich natürlich aus der Situation ergibt und nie erzwungen wirkt.
Auch die Handlung konnte mich überzeugen, selbst wenn manche Konflikte etwas zu leicht lösbar erschienen. Dafür punktet die Geschichte mit einer spannenden Mischung aus verschiedenen Mythologien, die zu einem eigenen Götterkosmos verwoben werden. Das Ende kam unerwartet und hat mich neugierig, fast schon sprachlos zurückgelassen. „Her Twisted Heart“ ist kein klassischer Fantasyroman, sondern eine düstere, emotionale Geschichte über Loyalität, Verrat und die Frage, ob man seinem Herzen trauen darf – selbst dann, wenn es einen direkt ins Chaos führt.
Ich bin mehr als gespannt, wohin Band zwei Harlow und Loki führen wird.