Ein großer Traum

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Mit diesem Roman wagt Trent Dalton erneut einen ungewöhnlichen Schritt – und reißt seine Leser:innen konsequent aus der Komfortzone. Im Zentrum steht ein namenloses Mädchen, das gemeinsam mit seiner Mutter seit Jahren auf der Flucht ist: vor der Polizei, vor der Vergangenheit und vor einer Gewalt, die noch immer nachwirkt. Ein Name wäre zu gefährlich, ein festes Zuhause unmöglich. Ihr Leben spielt sich in einem Van auf einem Schrottplatz am Brisbane River ab – trostlos, eng und von ständiger Angst begleitet.

Doch inmitten dieser rauen Realität lebt ein großer Traum: Das Mädchen möchte Künstlerin werden und der kriminellen Welt Brisbanes entkommen. Hoffnung keimt auch durch einen Jungen auf der anderen Seite des Flusses, der für sie mehr bedeutet, als sie sich einzugestehen wagt. Hilfe verspricht nur eine rätselhafte Figur: Lola. Oder genauer – Lola im Spiegel. Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft verschränken sich hier auf eindringliche Weise.

Besonders auffällig ist die außergewöhnliche Gestaltung des Buches. Die Tuschezeichnungen dienen nicht als klassische Illustrationen, sondern als emotionale Wegweiser und Ausgangspunkte für die einzelnen Kapitel. Sie verstärken die Wirkung der Geschichte und geben ihr eine zusätzliche, fast poetische Ebene. Die Sprache ist direkt, roh und ungeschönt – manchmal hart, aber immer ehrlich.

Auch wenn mich das Cover zunächst nicht überzeugt hat, konnte der Klappentext und vor allem die stille Intensität der Erzählung mich schnell einnehmen. Das namenlose Mädchen wirkt zugleich zerbrechlich und stark, gefangen zwischen Angst und Hoffnung, Kunst und Überleben. Die Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben steht in starkem Kontrast zur brutalen Realität, aus der sie zu entkommen versucht.

Dieser Roman ist düster, berührend und eigenwillig – kein leichtes Buch, aber eines, das lange nachhallt. Wer bereit ist, sich auf eine unkonventionelle Erzählweise einzulassen, wird mit einer intensiven Geschichte über Liebe, Schuld, Identität und die Kraft der Kunst belohnt.