Lichtblicke im Schrottplatz-Alltag: Ein hoffnungsvoller Blick in den Spiegel
„Lola im Spiegel“ von Trent Dalton hinterlässt bereits nach der Leseprobe einen tiefgreifenden Eindruck, da der Roman meisterhaft zwischen einer harten, fast grausamen Realität und einer zerbrechlichen, poetischen Traumwelt balanciert. Die Geschichte erhält durch die künstlerische Perspektive der namenlosen Protagonistin eine besondere Tiefe, die einen starken Kontrast zu ihrem rauen Alltag bildet. Daltons Schreibstil ist bemerkenswert lebendig und unmittelbar; er schafft es, die prekäre Situation der Wohnungslosigkeit ohne falschen Pathos, aber mit viel Empathie und einer Prise schwarzem Humor darzustellen. Besonders der Spannungsaufbau überzeugt, da durch den Vorgriff auf ein dramatisches Ereignis in der Zukunft und die vielen offenen Fragen, etwa nach dem wahren Namen des Mädchens oder der Identität der Frau im Spiegel, sofort ein starker Sog entwickelt wird. Die Charaktere, allen voran das talentierte Mädchen und ihre kämpferische Mutter, wirken authentisch und vielschichtig, und man spürt die loyale Verbundenheit dieser kleinen Gemeinschaft am Rande der Gesellschaft. Ich erwarte von der weiteren Geschichte eine emotionale Reise über das Überleben, die Kraft der Kunst und die unausweichliche Konfrontation mit der Vergangenheit. Ich würde das Buch definitiv weiterlesen wollen, weil es Dalton gelingt, selbst an einem so trostlosen Ort wie einem Schrottplatz Hoffnung und Magie spürbar zu machen, und man unbedingt erfahren möchte, ob die Protagonistin ihren Traum vom New Yorker Met-Museum trotz aller Widrigkeiten verwirklichen kann.