Der Spiegel der Erkenntnis

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mayla Avatar

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Lola im Spiegel fesselt von Beginn an: durch die wundervollen Zeichnungen, die das Buch von Anfang bis Ende illustrieren; durch die Gewalt der Sprache, die zu Beginn explosionsartig auf einen einstürzt; und durch die ungewöhnliche Geschichte, die von Missständen und Armut und der Gemeinschaft der Obdachlosen in Brisbane, Australien erzählt. Es schockiert und wächst einem ans Herz. Zunächst liest man weiter, weil man mehr erfahren möchte. Irgendwann, weil man das Mädchen, um das sich die Geschichte rankt, nicht fortlassen will - das Mädchen ohne Namen, das nach ihrer Identität sucht - die Liebe zu ihrer Mutter - die Neugierde darauf, was in dem 600 Seiten dicken Buch alles noch passieren muss. Die Gedanken der Protagonistin sind von außergewöhnlicher Schönheit. Schon durch die Art und Weise, wie sie spricht und denkt, wird klar, dass sie eine Künstlerin ist. Und nicht nur eine, die für ihr Leben gern zeichnet. Trotz der Misere, in der sie aufwächst, verliert sie nie den Glauben an ihr Ziel. Immer wieder betrachtet sie das, was in ihrem Leben aktuell passiert, aus der Perspektive eines Museumsführers, der nach ihrem Ableben Besucher durch die Ausstellung ihres Lebenswerks führt. Und sie spricht immer wieder mit ihrem Spiegel. Die Beschreibungen der Menschen, die ihre Begleiter sind, der Treibenden, wie sie genannt werden, sind allesamt einzigartig. Ihre Geschichten ineinander verwoben. Man möchte weinen und kann sich schließlich nicht davor schützen. Lola im Spiegel ist ein Wunderwerk der Sprache, der Emotionen, der Brutalität. Die Sprache ist klar. Die Geschichte berührend wahrhaftig. Und am Ende gewinnt die Liebe.