Flucht
Ein über 600 Seiten langes Buch, das beim Leser verschiedene Emotionen freisetzt: Ist es ein Melodrama, ein Thriller, eine Milieustudie oder ein Abenteuer? Ein Mädchen, namenlos, ist mit ihrer Mutter auf der Flucht, immer an einem anderen Ort. Nun leben sie auf einem Schrottplatz in einem alten Auto mit platten Reifen am Brisbane River. Wie die Mutter immer erklärte, sind sie wegen eines schlimmen Vorfalles auf der Flucht. Doch dann wird die Mutter durch einen Unfall aus dem Leben gerissen und das Mädchen erkennt langsam, dass Erica nicht ihre Mutter war. Doch ein Traum hält das Mädchen aufrecht, sie will eine berühmte Künstlerin werden und in New York ausstellen, denn sie zeichnet immer wieder Situationen auf mit bewundernswerter Akribie. Ein zersprungener Spiegel ist ihr Orakel, den sie immer befragt. Doch dann wird Brisbane überschwemmt, das Mädchen wird von Drogendealern gejagt, es geht um Leben und Tod. Und sie träumt von einem Prinzen, der sie eines Tages errettet. Es sind so viel grausame Gewaltszenen in dem Buch, aber auch viel Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und auch Liebe. Der Autor versteht es gekonnt, den Leser in seinen Bann zu ziehen, ein Ereignis jagt das nächste und auch unter den Wohnsitzlosen herrscht ein großes Miteinander. Wir spüren die Hitze Australiens und spüren die nicht enden wollenden Regen. Ein Epos, das uns weit in verschiedene Bevölkerungsschichten führt. Die Sprache ist klar und prägnant, Trent Dalton ein eine übersprühende Fantasie, die den Leser unwillkürlich mitreißt. Wir versinken in ein anderes Leben und leiden und freuen uns mit der Protagonistin. Die vielen wunderschönen Tuschzeichungen verleihen dem Buch einen besonderen Charm. Das Cover zeigt einen in viele Teile zersplitteren Spiegel, der Titel ins in großen roten Buchstaben darauf vermerkt. Und nicht ohne Grund wird hier Dalton mit Dickens verglichen.