Große Erzählkunst

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murksy Avatar

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Gelber Einband, rosa Schrift. Obwohl ich wenig auf die Aussagekraft von Covern gebe, muss ich gestehen, dass ich das Buch vermutlich nicht weiter beachtet hätte. Doch welch ein Versäumnis wäre dies gewesen, unfassbar. Es ist immer zweifelhaft, wenn Autoren mit großen Werken der Weltliteratur verglichen werden. In diesem Fall neige ich selber dazu. Dickens, Irving oder Updike, Vergleiche fallen einem ein, auch wenn diese immer etwas hinken. Was Dalton mit diesen auf jeden Fall vereint, ist die großartige Erzählkunst. Die Sätze, manchmal kurz und abgehackt, ergänzen sich, ergänzen die Geschichte um das namenlose Mädchen in der Schattenwelt der von der Gesellschaft abgehängten Menschen zu einem Epos voller Hoffnung, Trauer, Verlust, Liebe, Gewalt und Verzweiflung. Und über allem thront trotzdem der Glaube, dass es so etwas gibt wie ein Schicksal, das wir bestimmen können und nicht ein Schicksal, das uns bestimmt. So wie das Mädchen an seine Zukunft als Künstlerin glaubt, auch wenn alles dagegen spricht, so glauben diverse Personen in dem Buch an ihre persönliche Zukunft. Diese Zukunft, die sich aber trotz dem Glauben daran nicht für alle erfüllen wird. Aber genau dies ist für mich die Botschaft dieser wunderbar erzählten Geschichte. Glaube an deinen Traum und versuche, ihn zu verwirklichen. Denn dies macht uns aus. Wer sich ergeben fügt und alles hinnimmt, wird nicht einmal die Chance haben, etwas zu verändern oder vielleicht sogar sein Stück vom Glück zu bekommen.
Das Mädchen ohne Namen, das so talentiert zeichnet, ist auf der Suche nach ihrer Identität und ihrem Ziel zugleich. Manchmal scheint alles gegen sie zu sprechen. Die Welt, mit ihrer grausamen Härte, frisst Hoffnungen und Mut wie eines der Monster, dass sie auf manchen Zeichnungen festhält. In diese scheinbar ausweglosen Dunkelheit blitzen aber immer wieder Fünkchen von Menschlichkeit auf, die einen auf dem tobenden Fluss des Lebens wie Bojen oben halten. Das Buch fesselt auf eine teilweise grausame Weise. Einerseits kann man nicht davon ablassen. Andererseits hält man immer wieder inne, versucht das Gelesene zu verarbeiten. Das Buch hat düstere Seiten, Seiten voller Gewalt, aber auch Seiten von der Leuchtkraft eines hundertfach überzeichneten Sonnenaufgangs. Das Buch nur als Coming-of-age-Roman abzutun, greift deutlich zu kurz. Vielmehr ist es eine Metapher auf das Leben, wie sie die oben genannten Autoren ebenso grandios erschaffen haben. Die teilweise schaurig-schönen Zeichnungen des Illustrators Paul Heppell ergänzen perfekt und führen in die Kapitel ein. Explizit muss ich die herausragende Übersetzung von Rita Gravert erwähnen, ein wahrer Genuss. Und auch betonen will ich, dass im Gegensatz zu vielen neueren Veröffentlichungen auf dem Büchermarkt, keinerlei Druck- oder Rechtschreibfehler zu entdecken sind. Ja, leider ist auch das mittlerweile erwähnenswert.

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