Ohne Namen, aber mit einem großen Traum

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Sie ist 17 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einem Van auf einem Schrottplatz am Brisbane River. Die beiden sind auf der Flucht vor einer gewalttätigen Vergangenheit. Einen Namen hat die Jugendliche nicht, dafür aber einen großen Traum: Sie möchte eine richtige Künstlerin werden…

„Lola im Spiegel“ ist ein Roman von Trent Dalton.

Die Geschichte spielt in Brisbane (Australien). Erzählt wird sie im Präsens in der Ich-Perspektive aus der Sicht der namenlosen Protagonistin. Der Roman besteht aus 24 Kapiteln, die jeweils mit einer Zeichnung und ihrer Beschreibung beginnen. Dieses Konzept empfinde ich als kreativ und sehr ansprechend.

Der Text ist dialoglastig. Die Sprache ist rau, oft salopp und teils sogar ein wenig vulgär. Das passt allerdings zum Inhalt. Die deutsche Übersetzung von Rita Gravert ist angenehm unauffällig.

Die Charaktere werden mit Tiefe dargestellt und wirken authentisch. Unter anderem in diesem Aspekt wird deutlich, dass autofiktionale Elemente aus der persönlichen und beruflichen Erfahrung des Autors eingeflossen sind.

Es handelt sich um eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte. Dabei geht es vor allem um düstere Themen: häusliche Gewalt, Obdachlosigkeit, Traumata, Drogen, Alkohol, Korruption und ähnliche Probleme. Aber es ist zugleich auch eine Liebesgeschichte, die von magischem Realismus durchzogen ist und immer wieder Momente der Hoffnung und Zuversicht bietet. Durch diese Mischung entsteht eine emotionale Lektüre.

Mit mehr als 600 Seiten ist der Roman recht umfangreich. Dennoch kommt die Geschichte ohne größere Längen aus. Die Handlung erscheint vorwiegend glaubwürdig und hält Überraschungen bereit.

Besonders eindrucksvoll sind die Schwarz-Weiß-Illustrationen von Paul Heppell. Sie verleihen der Geschichte eine weitere Dimension und verstärken die Aussagekraft.

Das Covermotiv greift zwar die künstlerische Komponente auf und passt durch die Darstellung des zerbrochenen Spiegels inhaltlich gut. Dennoch spricht es mich optisch leider gar nicht an. Der deutsche Titel bleibt nahe am englischsprachigen Original („Lola in the Mirror“).

Mein Fazit:
„Lola im Spiegel“ von Trent Dalton ist ein bewegender und unterhaltsamer Roman, der mehrere Besonderheiten aufweist.