Ein faszinierendes Familienrätsel voller atmosphärischer Dichte!

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Das Buchcover strahlt durch seine warme, aber leicht unscharfe Farbgebung eine ganz besondere Melancholie aus, die perfekt zum geheimnisvollen Grundton der Geschichte passt. Anousch Muellers Schreibstil hat mich ab der ersten Seite der Leseprobe komplett in den Bann gezogen: Er ist unheimlich intensiv, bildhaft und psychologisch feinfühlig. Der Spannungsaufbau gelingt meisterhaft durch den Prolog, der sofort klarmacht, dass hinter dem scheinbaren Familienidyll auf dem alten Thüringer Bahnhof ein tiefes, schmerzhaftes Geheimnis liegt.
​Die bisher vorgestellten Charaktere wirken faszinierend vielschichtig: Die Erzählerin Helena (Leni), die trotz einer „Amnesie“ spürt, dass ein Puzzleteil in ihrem Leben fehlt, der fürsorgliche, rettende Vater und die seltsam unnahbare, manisch putzende Mutter. Besonders die Erwähnung der Schwester Lori, die „auf dem Grund der Ostsee ruht“, sorgt für eine greifbare, emotionale Schwere.
​Ich erwarte von der Geschichte ein tiefgründiges, emotional aufwühlendes Familiendrama, das die Brücke zwischen der DDR-Vergangenheit und den 1990er-Jahren schlägt. Ich würde das Buch unglaublich gerne weiterlesen, weil ich unbedingt erfahren möchte, was damals wirklich mit Lori geschah und wie die Familie mit dieser verdrängten Schuld umgeht.