Gekünsteltes Konstrukt?
Es ist von einer einnehmenden Sprachgewalt, was Anousch Müller bereits auf den ersten Seiten von "Lori" präsentiert - und doch verstärkt sich mit jedem Satz das Gefühl von Gezwungenheit und Künstlichkeit: Ist es ein Kind, das über seine Kindheit reflektiert? Ist es eine Erwachsene, die sich vorgeblich an ihre Kindheit erinnert? Oder doch vielmehr eine Erwachsene, die sich eine Kindheit zusammenphantasiert und dem Leser (noch) nicht klar macht, warum sie es in dieser Art und Weise tut? Man kann nur hoffen, dass die Autorin diese Grundfrage in den Roman integriert hat und möglichst bald thematisiert, denn ansonsten ist das hier schlichtweg unglaubwürdig.