Authentisch erzähltes Familiendrama

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jaymowe Avatar

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Leni und ihre fünf jüngeren Geschwister wachsen in der thüringischen Provinz auf. Was auf den ersten Blick wie eine freie und idyllische Kindheit wirkt, wird überschattet von einer unausgesprochenen Familientragödie. Erst Jahre später hat Leni den Mut, dieser nachzugehen und das Unausgesprochene greifbar zu machen.

Schon das Cover wirkt wie eine verschwommene Erinnerung. Ein älteres Mädchen beugt sich vertraut zu einem jüngeren Mädchen hinunter. Jedoch ist das Foto unscharf und man kann das Gesicht des älteren Mädchens nicht erkennen.

Genauso verhält es sich mit den Erinnerung der Protagonistin. Was zuerst ein Gefühl war, wird zu einer Ahnung und nach langer Zeit der vagen Erinnerung schließlich zur Gewissheit: Sie ist nicht die Älteste, es gab noch eine Schwester - Lori.
Durch ihre Abwesenheit, durch die Lücke, die durch einen Unfall in die Familie gerissen wurde, ist die ältere Schwester stets präsent, auch wenn ihre pure Existenz ein Tabu darstellt und dadurch zu einem Familientrauma wird.

Erzählt wird der Roman aus der Perspektive der Protagonistin. Durch viele Unschärfen und auch Leerstellen in der Erzählung wirkt der Bericht authentisch. Er ist nicht linear und wird durch viele Rückblenden und nachträglich eingefügte Erinnerungen anderer Figuren ergänzt. Hierbei scheut sich der Erzähler auch nicht, Aspekte der Geschichte (bewusst) offen zu halten.
Dies macht die Erzählung spannend und die Neugier des Lesers wird fast konstant aufrecht erhalten.

Lori ist ein Roman, der sowohl auf privater Ebene ein transgenrationales Trauma aufarbeitet und auf gesellschaftlicher Ebene, das politische System der DDR und dessen Auswirkungen auf seine Bürger kritisch beleuchtet.

Erzählerisch ungewöhnlich authentisch, neigt der Roman zwar stellenweise zu dramatischen Wendungen, lässt sich dennoch jedoch schwer wieder aus der Hand legen. Eine absolut lohnenswerte Lektüre.