Bewegend
Bewegend. Wirklich bewegend. Annousch Müller erinnert uns mit ihrem Roman "Lori" daran, dass Deutschland einmal in zwei Teile geteilt war, die DDR und die Bundesrepublik. Sie lässt uns Lesende anhand der Geschichte eines Geheimnisses einer vielköpfigen Ost-Familie erleben, wie Vergangenes bis in die Gegenwart hinein wirkt und wie das Private auch politisch ist. Leni hat fünf Geschwister, ist aber äußerst irritiert, als sie entdeckt, dass im Mutterpass ihrer Mutter von sieben Schwangerschaften die Rede ist; und ein Gefühl, dass da etwas Unausgesprochenes schon lange Zeit seine Wirkung zeigt, scheint sich zu bestätigen. Die Autorin versetzt uns mit ihrer Protagonistin Leni hinein in die beginnenden Siebziger, Hochphase der DDR, in das Lebensgefühl der Menschen dieser Zeit, in die Vor- und Nachwendezeit - dies tut sie in gut nachvollziehbaren Zeitsprüngen. Offensichtlich gab es ein älteres Geschwister, nicht gezeugt von Lenis Vater sondern von einem überzeugten Staatsvertreter... Ein literarisches Stück Geschichte. Lesenswert!