Das Erbe des Schweigens

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julirudi Avatar

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Im Roman "Lori" von Anousch Mueller wächst Leni mit fünf Geschwistern auf einem verlassenen Bahnhofsgebäude auf. Die Mutter scheint eine innere Leere durch immer neue Schwangerschaften füllen zu wollen und widmet ihre Aufmerksamkeit stets nur dem jeweils jüngsten Kind. Der Vater hält die Familie zusammen, versorgt Verletzungen und sorgt dafür, dass die Kinder die oft gefährlichen Abenteuer ihrer Kindheit überstehen.

Was zunächst skurril und humorvoll wirkt, ist von einer tiefen Verstörung geprägt. Die Geschwister spüren, dass in der Familie etwas nicht stimmt, können das Unausgesprochene jedoch nicht greifen. Das Schweigen der Eltern konnte die Kinder nicht davor schützen zu ahnen, dass ein Familiengeheimnis verborgen wird. Als Erwachsene macht sich Leni auf die Suche nach der Wahrheit. Lenis bester Freund Lutz wird Psychiater und erkennt, dass alle Geschwister ein Trauma in sich tragen. In jedem von ihnen „arbeitet das Geheimnis“.

Dieser Roman erzählt eine berührende und mitfühlende Geschichte. Die bildhafte Sprache und die lebendig gezeichneten Figuren machen es leicht, in die Handlung einzutauchen. Besonders gelungen ist Lenis Annäherung an ihre Eltern, die ohne Schuldzuweisungen auskommt und dadurch einen Weg zur Versöhnung und Heilung eröffnet. Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, sie liest sich flüssig und regt zum Nachdenken an.