Das Geheimnis der Eltern

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stricki Avatar

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Anousch Mueller verarbeitet in "Lori" mehrere Themen, die mich sehr interessieren: transgenerationales Trauma, DDR, Familiengeheimnisse.

Der Start des Romans ist großartig, die Szenerie im Bahnhofsgebäude ein Traum, wenn auch bereits mit feinen Rissen - die abweisende Mutter, der Außenseiterstatus, und eine schwarze Wolke, die diffus über allem schwebt. Viele Geschwister, die Abenteuer erleben und ein Vater, der sie liebt und sich toll um seine Kinder kümmert, der ausgleicht, wozu die Mutter nicht fähig ist. Erzählt wird aus Perspektive von Leni, der Ältesten der Geschwisterbagage.

Im Verlauf der Geschichte wechselt die Erzählebene von Leni zu Katharina, der Mutter der Familie. Die anfänglich sehr lebendige und mitreißende Stimmung verändert sich. Bekommt etwas Lähmendes, Starres, was vielleicht die Eingeengtheit durch das DDR-System symbolisieren soll, aber mir als Leserin leider auch den Lesegenuss dämpfte.

Mutter Katharina, eine schwierige Figur. Zeitlebens sehr opportunistisch. Egoistisch. Mag sein, dass ihr Leben erst im Alter zu ihr passt, und sie ihren Frieden damit machen konnte, mag sein, dass sie lange Zeit mit der Tragödie und der Trauer klar kommen musste. Mir war sie sehr unsympathisch, und ich war von Anfang an Team Robert, Ehemann und Vater der vielen Kinder. Was passierte mit den Eltern, als die Kinder groß waren? Wir erfahren viel über die junge und die ältere Katharina, aber mir fehlt der Mittelteil - ein für mich sehr entscheidender Teil. Mir war dann auch die Annäherung der Mutter mit Leni und die Aufarbeitung der Tragödie zu oberflächlich und konstruiert.

Ich hätte gern auch Roberts Perspektive gelesen, und die der Geschwisterkinder.

Ein Roman, der stark beginnt und viel Potential hatte, und sich dann leider verliert, in einer schönen und angenehmen Sprache geschrieben. Dafür vergebe ich 3,5 Sterne.