Deutsche Geschichte

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Mit Lori legt Anousch Müller einen eindringlichen Roman vor, der Familiengeschichte und deutsche Zeitgeschichte auf beeindruckende Weise miteinander verbindet. Im Mittelpunkt steht Leni, die in den 1990er-Jahren mit ihren Geschwistern auf einem stillgelegten Bahnhof in Thüringen aufwächst. Schon früh spürt sie, dass ihre Familie ein Geheimnis hütet. Die Suche nach der Wahrheit über ihre verschwundene Schwester Lori führt sie tief in die Vergangenheit der DDR und zu den Traumata ihrer Eltern.
Besonders überzeugend ist die ruhige, präzise Sprache der Autorin. Ohne dramatische Effekte erzählt sie von Schuld, Verdrängung und den Folgen des Schweigens über Generationen hinweg. Die wechselnden Zeitebenen sind geschickt miteinander verwoben und lassen die Spannung bis zum Schluss bestehen. Gleichzeitig zeichnet Müller ein vielschichtiges Bild der DDR, das weder verklärt noch pauschal verurteilt, sondern die Auswirkungen politischer und persönlicher Entscheidungen auf das Leben einzelner Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Die Figuren wirken glaubwürdig und vielschichtig. Vor allem Leni entwickelt sich zu einer Protagonistin, deren Unsicherheit, Hartnäckigkeit und Sehnsucht nach Wahrheit berühren. Auch die Nebenfiguren erhalten genügend Tiefe, um die familiären Konflikte nachvollziehbar zu machen.