Die Spuren des Schweigens
„Wenn sich ein Geheimnis löst, beginnt die Geschichte von Neuem. Als zweite Fassung von uns gibt es ab dann in der einen und in der anderen Version“ sind die ersten Zeilen von Anousch Muellers Roman „Lori“ und wahrscheinlich ist genau das, was dieses Buch so faszinierend und spannend finde, denn mit diesem Buch nähert man sich nach und nach einem großen Geheimnis, das so eine Familiengeschichte komplett auf den Kopf stellt und zeitgleich alles erklärt.
Helena Ross, genannt Leni weiß es eigentlich schon sehr lange, sie fühlt es, sieht es ab und an in Erinnerungsfetzen, gerade ein kleiner Anhänger aus Glas, der das Licht in Regenbogenfarben bricht weckt eine tiefsitzende Erinnerung. Auch wenn alle von einer Retrograden Amnesie reden, so weiß Leni genau, dass es da noch ein anderes Mädchen, eine weitere Schwester gab, die aus irgendeinem Grund plötzlich nicht mehr da war. Leni wächst ‚am Ende der Welt’ in einem alten verlassenen Bahnhof mit ihren fünf Geschwistern in Thüringen auf. Ein wildes Durcheinander mit vielen Rangeleien, man kann es sich vorstellen. Und während der Vater sich überfürsorglich um die Kinder und ihre äußerlichen Verletzungen kümmerte, zog sich die Mutter immer mehr zurück.
„Immer war es Papa, der die tröstenden Worte sprach. Immer war es Mama, die sich abwandte, immer mit einem Baby auf dem Arm.“ „Während Papa damit beschäftigt war, uns wieder zusammenzuflicken, hielt Mama das Haus in Schuss. Sie fegte, wischte, putzte und polierte mit einer manischen Hingabe.“
Doch da ist noch mehr… nach all den Jahren nähert sich Leni endlich dieser Leerstelle in ihrem Leben, was ist damals geschehen?
„Noch immer hatte ich nichts als die Informationen aus dem Mutterpass und die Erinnerungen an ein Mädchen, mit dem ich auf dem Rand einer Blumenrabatte balancierte, und wie Mama nach uns ruft: Lori, Leni! Ein Gleichklang zu Beginn, zwei Mal zwei Silben, abgerundet mit einem hellen, fröhlichen i“
Dieser Roman bewegt sich zwischen den Jahren 1974 bis 2000, gibt Bilder einer Familie preis, die zwischen DDR, Wende und Schicksalserfahrungen ihren Weg sucht um mit den damaligen Geschehnissen umzugehen, die klassische Rollenbilder belegt und aufbricht, und dabei irgendwie ein ganz anderen Blick auf die Zeit wirft. Es ist eine Familiengeschichte, eine Liebesgeschichte, eine DDR-Geschichte und ein Geheimnis in einem. Leni nimmt uns mit durch die Zeit; ihre Geschichte.
Ich gebe zu, dieser Roman hat mich und meine Konzentration beim Lesen sehr gefordert. Die Zeitsprünge und vielen Themen, die dieser Roman vereint, machten ihn zwar sehr faszinierend und intensiv, gleichzeitig brachten mich die wechselnden Zeiten häufig etwas durcheinander und störten meinen Lesefluss. Gerade die Liebelei und Ausflüge mit dem Geliebten störten etwas dieses Bild auf die Familie und gleichzeitig ist es doch so ein wesentlicher Baustein in Lenis Leben. Ich glaube, wie die ersten Zeilen bereits ankündigen, ist ein doppeltes Lesen gar nicht mal so verkehrt um alles komplett deuten und jeden Erinnerungsschnipsel verstehen zu können… und dennoch ist „Lori“ ein sehr beeindruckender Text, der sprachlich, emotional, wie geschichtlich so einiges bereithält.
Helena Ross, genannt Leni weiß es eigentlich schon sehr lange, sie fühlt es, sieht es ab und an in Erinnerungsfetzen, gerade ein kleiner Anhänger aus Glas, der das Licht in Regenbogenfarben bricht weckt eine tiefsitzende Erinnerung. Auch wenn alle von einer Retrograden Amnesie reden, so weiß Leni genau, dass es da noch ein anderes Mädchen, eine weitere Schwester gab, die aus irgendeinem Grund plötzlich nicht mehr da war. Leni wächst ‚am Ende der Welt’ in einem alten verlassenen Bahnhof mit ihren fünf Geschwistern in Thüringen auf. Ein wildes Durcheinander mit vielen Rangeleien, man kann es sich vorstellen. Und während der Vater sich überfürsorglich um die Kinder und ihre äußerlichen Verletzungen kümmerte, zog sich die Mutter immer mehr zurück.
„Immer war es Papa, der die tröstenden Worte sprach. Immer war es Mama, die sich abwandte, immer mit einem Baby auf dem Arm.“ „Während Papa damit beschäftigt war, uns wieder zusammenzuflicken, hielt Mama das Haus in Schuss. Sie fegte, wischte, putzte und polierte mit einer manischen Hingabe.“
Doch da ist noch mehr… nach all den Jahren nähert sich Leni endlich dieser Leerstelle in ihrem Leben, was ist damals geschehen?
„Noch immer hatte ich nichts als die Informationen aus dem Mutterpass und die Erinnerungen an ein Mädchen, mit dem ich auf dem Rand einer Blumenrabatte balancierte, und wie Mama nach uns ruft: Lori, Leni! Ein Gleichklang zu Beginn, zwei Mal zwei Silben, abgerundet mit einem hellen, fröhlichen i“
Dieser Roman bewegt sich zwischen den Jahren 1974 bis 2000, gibt Bilder einer Familie preis, die zwischen DDR, Wende und Schicksalserfahrungen ihren Weg sucht um mit den damaligen Geschehnissen umzugehen, die klassische Rollenbilder belegt und aufbricht, und dabei irgendwie ein ganz anderen Blick auf die Zeit wirft. Es ist eine Familiengeschichte, eine Liebesgeschichte, eine DDR-Geschichte und ein Geheimnis in einem. Leni nimmt uns mit durch die Zeit; ihre Geschichte.
Ich gebe zu, dieser Roman hat mich und meine Konzentration beim Lesen sehr gefordert. Die Zeitsprünge und vielen Themen, die dieser Roman vereint, machten ihn zwar sehr faszinierend und intensiv, gleichzeitig brachten mich die wechselnden Zeiten häufig etwas durcheinander und störten meinen Lesefluss. Gerade die Liebelei und Ausflüge mit dem Geliebten störten etwas dieses Bild auf die Familie und gleichzeitig ist es doch so ein wesentlicher Baustein in Lenis Leben. Ich glaube, wie die ersten Zeilen bereits ankündigen, ist ein doppeltes Lesen gar nicht mal so verkehrt um alles komplett deuten und jeden Erinnerungsschnipsel verstehen zu können… und dennoch ist „Lori“ ein sehr beeindruckender Text, der sprachlich, emotional, wie geschichtlich so einiges bereithält.