Ein Teil

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bredkat Avatar

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Anousch Müllers Lori hat mich sehr beeindruckt. Es ist ein Buch, das mich an vielen Stellen tief berührt und immer wieder dazu angeregt hat, über die eigene Geschichte, Familie, Vergangenheit und Zukunft nachzudenken.
Besonders gefallen hat mir, wie authentisch die Figuren gezeichnet sind. Sie sind weit entfernt von Perfektion, gerade dadurch kann man sich mit ihnen identifizieren. Das Buch erzählt aus meiner Sicht davon, dass Erwachsenwerden nicht mit einem bestimmten Alter abgeschlossen ist, sondern ein lebenslanger Prozess bleibt. Es geht um den Wunsch, den Erwartungen anderer gerecht zu werden, und zugleich um den Kampf, den eigenen Weg zu finden.
Lori stellt Fragen, die weit über die Geschichte hinausreichen. Was bedeutet es eigentlich, Teil einer Familie zu sein, selbst wenn man in sie hineingeboren wurde? Wie entstehen unsere Vorstellungen von Realität und Wahrheit? Welche Lügen, Ängste und Gefühle tragen wir mit uns herum? Und welche Beziehungen prägen uns zu den Menschen, die wir heute sind?
Auch die Frage nach Zugehörigkeit wird auf eindrucksvolle Weise verhandelt. Was bedeutet es, in einem Staat/Stadt/Dorf/Bahnhof zu leben? Wie sehr formen Herkunft, Familie und gesellschaftliche Erwartungen unser Selbstbild?
Besonders schön fand ich die kleinen lyrischen Passagen, die immer wieder in die Handlung eingeflochten sind. Sie wirken nie aufgesetzt, sondern vertiefen die Atmosphäre und verleihen dem Roman zusätzliche Tiefe. Trotz der Schwere des Themas liest sich das Buch sehr flüssig und entfaltet gerade durch seine ruhige Sprache eine große emotionale Kraft.
Lori ist für mich ein Roman über Erinnerung, Identität und die Suche nach dem eigenen Platz - ehrlich, berührend und lange nachhallend.