Ein zutiefst bewegender Roman über Schweigen, Verlust und die heilende Kraft von Wahrheit

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ninzi-jh Avatar

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»Lori« von Anousch Mueller ist ein unglaublich berührendes, bewegendes Buch, das mich von der ersten Seite an gepackt hat.

Es erzählt von einer Leerstelle in einer Familie – von einem Verlust, über den eisern geschwiegen wird, der aber dennoch das Leben aller Familienmitglieder prägt. Besonders eindrucksvoll ist, wie spürbar wird, dass selbst die Kinder von diesem unausgesprochenen Schmerz beeinflusst werden, obwohl sie die eigentliche Geschichte dahinter zunächst gar nicht kennen.

Im Mittelpunkt steht Leni, eigentlich Helena, die nach und nach beginnt, die Vergangenheit ihrer Familie zu entschlüsseln. Ganz behutsam und zugleich unglaublich spannend enthüllt sich Stück für Stück die Geschichte ihrer verstorbenen großen Schwester Lori – und damit auch die Vorgeschichte ihrer Eltern in der DDR-Zeit. Gerade dieses allmähliche Aufdecken der Familiengeschichte erzeugt einen starken Spannungsbogen, der einen immer tiefer in den Roman hineinzieht.

Besonders begeistert hat mich auch der Schreibstil von Anousch Mueller: mitreißend, atmosphärisch und gleichzeitig so leicht und flüssig, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Es liest sich unglaublich intensiv und dabei ganz mühelos weg. Die Autorin schafft es, schwere Themen wie Verlust, familiäres Schweigen und vererbte Traumata mit großer Sensibilität zu erzählen, ohne dass das Buch jemals schwerfällig wirkt.

Was Lori für mich besonders macht, ist die Verbindung aus Schmerz und Hoffnung. Es geht nicht nur um das, was über Generationen weitergegeben wird, sondern auch um Heilung – um die Kraft von Antworten, um das Verstehen der eigenen Geschichte und darum, wie Wahrheit dabei helfen kann, Wunden zu schließen.

Ein sehr intensiver, kluger und emotionaler Roman, der lange nachhallt. Absolute Leseempfehlung.