Leerstellen
Die in Thüringen geborene Autorin Anousch Mueller entwirft einen mitreißenden Familienroman rund um die Leerstelle in einer Familie. Die Ich-Erzählerin Leni ist 1979 geboren und hat fünf jüngere Geschwister, trotzdem stocken die Eltern und sprechen nie den Satz aus „Dies ist unsere älteste Tochter, Leni.“ Leni spürt schon früh, dass eine Person in der Familie fehlt und dass sie eventuell gar nicht das älteste Kind ihrer Eltern ist. Nur schweigen sich diese über die Vergangenheit aus. Leni begibt sich als junge Frau, der die Leerstelle zunehmend zur seelischen Belastung wird, auf Spurensuche tief hinein in die DDR-Vergangenheit ihrer Eltern. Wir begleiten sie dabei und decken mit ihr zusammen nach und nach das Familiengeheimnis um das verschwundene siebte Kind und bekommen dabei zusätzlich ein eindrückliches und authentisches Bild des Alltags und der Besonderheiten von Menschenleben in der sozialistischen Diktatur der DDR.
Die Autorin entspinnt ihren Plot nicht nur um eine Leerstelle herum, sondern arbeitet auch sprachlich immer wieder mit Leerstellen. So ist dieser umfassende Familienroman auf 205 Seiten heruntergebrochen. Hier ist kein einziges Wort zu viel und es bleiben Leerstellen, die nicht auserzählt werden. Und gerade das macht diesen Roman so bemerkenswert. Mueller beschränkt sich auf das Wesentliche, kommt zum Punkt und lässt genau dadurch einen enormen Sog entstehen. Mit pointierten Beschreibungen, die die Fantasie der Lesenden nur antippen, erschafft sie im Kopfkino eine ganze Welt vom Leben in diesem nicht mehr existierenden Staat mit seinen Vorzügen und Nachteilen.
Meines Erachtens handelt es sich hier um einen großartigen Roman, der mit reduzierten Mitteln unglaublich viel Tiefe schafft. Ich bin restlos begeistert und möchte die Lektüre von „Lori“ uneingeschränkt empfehlen.
5/5 Sterne
Die Autorin entspinnt ihren Plot nicht nur um eine Leerstelle herum, sondern arbeitet auch sprachlich immer wieder mit Leerstellen. So ist dieser umfassende Familienroman auf 205 Seiten heruntergebrochen. Hier ist kein einziges Wort zu viel und es bleiben Leerstellen, die nicht auserzählt werden. Und gerade das macht diesen Roman so bemerkenswert. Mueller beschränkt sich auf das Wesentliche, kommt zum Punkt und lässt genau dadurch einen enormen Sog entstehen. Mit pointierten Beschreibungen, die die Fantasie der Lesenden nur antippen, erschafft sie im Kopfkino eine ganze Welt vom Leben in diesem nicht mehr existierenden Staat mit seinen Vorzügen und Nachteilen.
Meines Erachtens handelt es sich hier um einen großartigen Roman, der mit reduzierten Mitteln unglaublich viel Tiefe schafft. Ich bin restlos begeistert und möchte die Lektüre von „Lori“ uneingeschränkt empfehlen.
5/5 Sterne