Wenn Schweigen Spuren hinterlässt

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mjoch Avatar

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„Lori“ ist ein leiser, aber erstaunlich eindringlicher Roman über eine Familie, in der vieles nicht ausgesprochen wird und gerade deshalb umso stärker nachwirkt. Im Mittelpunkt steht Leni, die mit ihren fünf Geschwistern auf einem stillgelegten Bahnhof in Thüringen aufwächst. Schon als Kind spürt sie, dass in ihrer Familie eine Leerstelle existiert: Lori, ihre ältere Schwester, über die niemand spricht. Jahre später beginnt Leni, nachzuforschen und stößt dabei immer tiefer in die Vergangenheit ihrer Eltern und die Geschichte der DDR vor.

Mir hat besonders gefallen, wie Anousch Mueller aus diesem Familiengeheimnis keine klassische Spannungsgeschichte macht. Vieles wird nur angedeutet, Erinnerungen tauchen bruchstückhaft auf und erst nach und nach setzt sich das Bild zusammen. Gerade dieses Unausgesprochene fand ich sehr gelungen. Man merkt, wie stark eine Vergangenheit, über die niemand reden will, das Leben der nächsten Generation prägen kann.

Auch sprachlich hat mich der Roman überzeugt. Mueller schreibt präzise und gleichzeitig sehr atmosphärisch, ohne die großen Gefühle ständig ausbuchstabieren zu müssen. Bei manchen Szenen hatte ich das Gefühl, dass zwischen den Zeilen mindestens genauso viel passiert wie in der eigentlichen Handlung.

„Lori“ ist sicher kein leichter Wohlfühlroman, aber einer, der mich beschäftigt hat. Vor allem die Mischung aus Familiengeschichte, DDR-Vergangenheit, Schuld und der vorsichtigen Suche nach Wahrheit fand ich spannend. Ein ruhiges Buch, das seine Wirkung eher langsam entfaltet, dafür aber noch eine Weile im Kopf bleibt.